"High­lights wa­ren auch die Aus­flü­ge in die Nach­bar­län­der: nach Vil­ni­us in Li­tau­en, Tal­linn in Est­land und Hel­sin­ki in Finn­land.“

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Nach der Informationsveranstaltung der FHDW packte uns die Lust auf ein Auslandssemester in Riga. Nachdem wir die Bewerbungsphase erfolgreich durchlaufen hatten, ging es mit freudigem Erwarten an die Vorbereitung. Bei Fragen war das International Office in allen Phasen des Auslandsaufenthalts erreichbar und konnte mit schnellen Antworten immer helfen.

Nach der Nominierung durch das International Office der FHDW (eine Nachricht, die natürlich jeder von uns sofort mit Freunden und Familie teilen musste) setzten wir uns an die Organisation unseres Auslandssemesters. Da Lettland Mitglied der Europäischen Union ist, benötigt man kein Visum und auch keinen extra Handy-Vertrag. Mit großem Enthusiasmus berichteten uns außerdem die ehemaligen Studenten des letzten Riga-Auslandssemesters von ihren Erfahrungen. Sie konnten uns dabei wertvolle Tipps, auch zum Umgang mit Corona, geben.

Um rundum abgesichert zu sein, empfiehlt sich die – auch von der FHDW empfohlene – Versicherung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Diese konnte auch sehr einfach über die Webseite des DAAD, über die auch die Zahlung und alle Änderungen vorgenommen werden können, abgeschlossen werden. Wenn man nicht bereits über eine Auslandsversicherung über andere Wege verfügt, ist es ein gutes, allumfassendes Versicherungspaket. Einige von uns nutzten eine Auslandskrankenversicherung der Allianz, da andere wichtige Dinge (Haftlicht, Unfallversicherung) bereits über die Eltern mitversichert waren.
Bei den Planungen für das Auslandssemester standen wir alle vor der Wahl, ob wir ins Wohnheim der Turība University gehen oder eine Wohnung mieten. Da sich vor dem Auslandssemester noch nicht alle untereinander kannten, beschlossen jeweils Martin, Emil und Niklas; Melina und Denise; und Jannik und Carlo eine Wohnung in Riga zu mieten. Henry buchte sich ein Bett in einem Zweierzimmer im Wohnheim der Turība. Ein Grund für die Entscheidung für eine eigene Wohnung war die Erfahrung der Ehemaligen aus dem letzten Jahr. Das Wohnheim wurde im Jahr 2020 mehrmals wegen Corona unter Quarantäne gestellt.

Gesucht und gefunden haben wir alle unsere WG über Airbnb. Unsere Wohnungen waren entweder direkt in der Innenstadt (Melina und Denise) oder 15 Minuten von der Innenstadt entfernt. Die Wohnungen boten dabei alles Notwendige für den viermonatigen Aufenthalt, nur in der WG von Martin & Co. fehlte ein Backofen. Positiv überraschte auch die erste E-Mail der Turība, in der auf einen Organisationstag aufmerksam gemacht und uns angeboten wurde, kostenlos vom Flughafen abgeholt zu werden.
Ende August / Anfang September 2021 ging es endlich auf nach Riga. Ob aus Köln / Bonn, Dortmund oder auch Frankreich reisten wir mit dem Flugzeug in Riga an. Angekommen am Flughafen brachte uns ein von der Turība bestelltes Taxi zu unserer Unterkunft. Die ersten Tage in Riga verbrachten wir mit Sightseeing und Freizeitaktivitäten wie Kino und Bowling. Unsere Uni-Phase begann am 03.09.2021 mit dem Orientierungstag an der Turība. Der Orientierungstag war sehr hilfreich, um die Universität kennenzulernen und wurde mit Spielen aufgelockert. Am Abend folgte ein erstes Kennenlernen der Clubszene mit einem von der Universität organisierten Besuch des „The Sinner Club“. Für einige aus unserer Gruppe begann das Riga-Abenteuer erst am nächsten Tag mit der Welcome Party des ESN Riga.
In der folgenden Woche begannen unsere ersten Vorlesungen an der Turība Universität, die zu unserer Freude alle (zumindest am Anfang) in Präsenz stattfanden. Besucht haben wir in Riga unterschiedliche Kurse, die alle einen BWL-Schwerpunkt abgebildet haben, dazu zählen: Production and Service Operation Planning, E-Commerce, Financial Management und Business Ethics and Business Communication. Außerdem mussten je nach Studienspezialisierung noch Kurse an der FHDW erbracht werden, da nicht alle für das Semester notwendigen Module in Riga abgedeckt werden konnten.

Zusätzlich haben einige von uns einen Lettisch-Kurs an der Turība besucht, um sich mit der Sprache des Gastlandes vertraut zu machen. Die Kurse waren dabei größtenteils spannend. Wichtig zu wissen ist, dass es an der Turība je nach ECTS-Wert eines Kurses, Tests oder Präsentationen auch während der Vorlesungen gibt (z. B. 3 ECTS 1 Test + Exam). Die Tests werden dabei mit in die Gesamtnote für das Modul eingerechnet. Ein weiterer Pluspunkt waren die (solange eine Präsenzphase möglich war) hybriden Vorlesungen an der Universität. Es war also möglich, in Präsenz oder online an der Vorlesung teilzunehmen.
Die Reservierung eines Zimmers im Voraus ging über die Wohnheimverwaltung sehr unbürokratisch, da alle Unterlagen und die Miete erst vor Ort unterschrieben und gezahlt werden müssen. Henry wohnte dabei zusammen mit einem anderen Erasmus-Studenten in einem Zweibettzimmer. Da alle Erasmus-Studenten auf einer Etage zusammenwohnen, war der Anschluss sehr einfach. Wenn man nicht auf komplette Ruhe aus ist oder allein mit seiner Freundesgruppe wohnen will, ist das Wohnheim die beste Entscheidung, die man treffen kann. Man ist direkt an der Quelle des Geschehens, lernt mit anderen Kulturen zusammenzuleben und ist direkt neben der Universität untergebracht. An die geteilten Bäder und Küche gewöhnt man sich auch relativ schnell, Waschmaschinen und Trockner sind eine Etage höher und wenn man nicht kochen will, ist für Verpflegung unter der Woche durch die Mensa und das Café im Unigebäude gesorgt.

In der Nähe der Turība gibt es mehrere Geschäfte. Durch den Bahnhof, der 5 Minuten vom Hauptgebäude der Turība entfernt ist, und mehrere Bushaltestellen, ist die Turība gut an den Hauptbahnhof in Riga angebunden. Eine Fahrt mit dem Zug ist dabei im Vergleich zu Deutschland sehr günstig, je nach Zone, in die man fährt, zahlt man zwischen 0,86 € und 3,33 € für eine Fahrt. Mit dem Bus, der Straßenbahn und dem Trolley-Bus kann man mit einem Studenten-Ticket sogar für 0,30 € pro Stunde fahren.
In Riga spielt sich das meiste Leben in der Altstadt ab, da dort die meisten Restaurants, Clubs und Bars auf konzentriert sind. Ebenfalls beliebt bei den Letten sind große Shoppingcenter, von denen es in Riga sehr viele gibt, auch in der Innenstadt (z. B. Akropole, Alfa, Galleria Riga und die Galerija Centrs). Außerdem kann das Outlet Center Via Jurmala besonders empfohlen werden, vor allem in der Black-Friday-Woche. In der Freizeit gehen die jungen Letten gerne feiern. Die Möglichkeiten dafür sind nahezu endlos in der Innenstadt.

Die Essenskultur in Riga ist sehr international, von Pizza bis Tacos, kann man nahezu alles verzehren. Die typisch lettische Essenskultur wurde sehr geprägt von der deutschen und russischen Besatzung. So gibt es etwa Sauerkraut, Kartoffeln, Wurst und Fleischbällchen genauso wie Kwas und Pelmeni. Außerdem lohnt es sich, in Riga mehrere Museen zu besuchen, z. B. das Museum im Pulverturm (Kriegsmuseum, freier Eintritt) und das KGB-Museum (Eintritt frei, unterschiedliche Kosten für eine Führung). Den typisch lettischen Likör „Riga Balzam“, der schon von Katharina der Großen als Medizin genutzt wurde, hat allerdings gewöhnungsbedürftig geschmeckt.

In Riga gibt es eine große Anzahl an russisch-sprachigen Bürgern. Man hört auf der Straße oft Russisch, aber trotzdem sind die Letten stolz auf ihre Sprache und ihre Kultur. Neben der russischen Bevölkerungsgruppe gibt es regelmäßig eine große Erasmus-Community in Riga, sodass einem nicht langweilig wird und es alle möglichen Events gibt. Dazu gehören diverse Partys, Ausflüge oder auch Spieleabende oder ein „Language Cafe“, wo Studenten aus verschiedenen Ländern den anderen ein paar Worte ihrer Sprache beibringen. Auch geschichtlich hat Riga viel zu bieten. Während die Altstadt voll von Jugendstil-Gebäuden ist, gibt es außerhalb auch Gebäude aus der Sowjetzeit und ab und zu erkennt man auch den deutschen Einfluss.
Jedem, der gerne Informationen über Riga haben möchte, können wir den CityTrip-Riga-Reiseführer aus dem Reise Know-How Verlag empfehlen. Er hat Niklas und uns anderen während unseres Auslandsaufenthaltes gute Tipps gegeben und war sein Geld auf jeden Fall wert. Ebenfalls empfehlen wir euch für Riga die Nutzung der Bolt und Yandex Go App. Mit diesen Apps könnt ihr günstig Taxifahrten bestellen. Für die Essensbestellung empfehlen sich Bolt Food und Wolt. Damit ihr eure Zugtickets ebenfalls günstig kaufen könnt, solltet ihr die App Vilciens installieren, damit ihr einen kleinen Rabatt auf den Kauf von Zugtickets erhaltet. Besonderheit in Lettland: In jedem Zug gibt es Kontrolleure. Das heißt, ihr könnt euer Ticket auch erst im Zug beim Zugbegleiter kaufen. Ein weiteres beliebtes Fortbewegungsmittel sind die Scooter in Riga, die vielfach zur Verfügung stehen und zu einem günstigen Preis genutzt werden können. Um bei allen Veranstaltungen auf dem Laufenden zu bleiben, lohnt es sich, dem Turiba Student Council und dem ESN Riga auf ihren Social-Media-Kanälen zu folgen.
Die Ausgaben für das gesamte Auslandssemester unterscheiden sich bei jedem von uns, da wir unterschiedliche Wohnungen bezogen haben und auch unterschiedliche Freizeitaktivitäten verbracht haben. Niklas hat ca. 4.200 € bezahlt inklusive einem Lappland-Trip (ca. 700 €) und einem Besuch von Estland, Litauen und Polen (zusammen ca. 500 €). In den Kosten sind auch Restaurantbesuche, Kino, Partys, Bus- und Bahnkosten erhalten. Ebenfalls enthalten sind die Mietkosten von ca. 1.400 € für die Mietwohnung. Finanziert haben wir unseren Auslandsaufenthalt durch die Erasmus+ Förderung (ca. 1.200 €) und unser Gehalt aus dem dualen Studium. Sollte man etwas weniger ausgeben wollen, können die Kosten deutlich gesenkt werden, indem man ein Bett im Turība Student Hostel bucht. Henry musste für sein Bett in einem Zweibettzimmer 135 € im Monat zahlen, für ein Bett in einem Vierbettzimmer zahlt man aktuell 67 € pro Monat.
Allgemein sind Lebensmittel in Lettland etwas teurer als in deutschen Discountern. Wir empfehlen euch, für frische Lebensmittel auf jeden Fall auf dem Zentralmarkt vorbeizuschauen, auf dem lokale und internationale Produkte in guter Qualität zu niedrigen Preisen angeboten werden. Für alle mit Heimweh lohnt auch ein Besuch einer der zahlreichen LIDL in Riga. Vermisst haben wir in Riga neben unseren Familien und Freunden vor allen Dingen deutsches Brot, ein gut gezapftes Bier, die Mantaplatte und die Autobahn. Manchmal muss man erst ins Ausland gehen, um zu merken, wie deutsch man wirklich ist. 🙂
Während unseres Auslandssemesters haben wir alle viel erlebt und viele nette Menschen kennengelernt und auch neue Freunde gefunden. An der Turība Universität haben Martin und Niklas im Student Council (Abteilung International Cooperation) mitgewirkt. Carlo, Melina und Niklas haben sich außerdem im ESN Riga beteiligt. Es hat Spaß gemacht, Veranstaltungen für die anderen Studenten zu organisieren. Andere aus unserer Gruppe haben in ihrer Freizeit im Sportverein Fußball gespielt oder im Tanzstudio z. B. Hip-Hop getanzt.

In Riga und um Riga herum gibt es viele schöne Plätze, die man besuchen kann. Besonders empfehlen können wir dabei folgende: Majori im Sommer, Sigulda im Sommer/Herbst, die Weiße Düne und den Nationalpark Ķemeri. Für ein günstiges Essen eignet sich dabei das Café Leningrad, für eine gute Sicht über die Stadt die Skyline Bar im Radisson Blu. Weitere Highlights für die meisten von uns waren die Fahrten nach Vilnius (Litauen) und Tallinn (Estland) sowie ein Tagesausflug nach Helsinki. Es hat sich gelohnt, diese schönen Städte in Lettlands Nachbarländern zu besuchen. Die Anreise ist dabei einfach und günstig z. B. mit dem Anbieter Luxexpress möglich. Außerdem gibt es oft günstige Flüge aus Riga an die verschiedensten Orte.

Besonderes Highlight am Ende des Semesters war für Melina, Denise und Niklas die Fahrt nach Lappland. Diese von Timetravels organisierte Fahrt in das verschneite Saariselkä in Lappland/Finnland hatte mit der Husky-Tour, dem Besuch einer Sauna in Norwegen mit anschließendem Eisbaden und weiteren Aktivitäten viel zu bieten. Wenn ihr Interesse an der Fahrt habt, solltet ihr so früh wie möglich auf der Website des Anbieters vorbeischauen, nachdem euer Auslandssemester gestartet ist. In der Regel sind die Plätze sehr schnell ausverkauft.
Fazit

Abschließend war unser Auslandssemester eine wunderbare Erfahrung, bei der wir viele neue Freunde gefunden haben. Riga ist eine wunderbare Stadt zum Leben und das Uni-Leben dort hat sehr viel Spaß gemacht. Ein besonderer Dank gilt dem International Office für die Unterstützung bei der Organisation, die Vornahme der Kursauswahl und die Erstellung aller erforderlichen Dokumente. Bei Fragen zum Erfahrungsbericht, Riga, Lettland oder der Turība Universität könnt ihr gerne einen Kontakt über das International Office mit uns herstellen lassen.

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