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Paderborn
Deutsche Unternehmen in China

Die Referenten des FHDW Wirtschaftsforums waren sich einig: Der chinesische Markt bietet deutschen Unternehmen sehr gute Aussichten für ihre Geschäfte. 


referenten des FHDW Wirtschaftsforums China

Stellten Strategien für das China-Geschäft deutscher Unternehmen vor (v. l.): Christoph Hoene, Hoene Consult, Stuttgart; FHDW-Prodekan Betriebswirtschaft, Prof. Dr. Heiner Langemeyer; Roland Damann, Geschäftsführer enviplan Ingenieurgesellschaft Lichtenau, und Gunnar Schweitzer, August Storck KG, Halle.

Von Produktpiraterie und langwierigen Markenstreitigkeiten war die Rede. Aber auch von absolut vertrauensvoller Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern. 

Ganz unterschiedliche Strategien kommen zum Tragen, wenn deutsche Unternehmen in China aktiv werden. Ob mit Kooperationspartnern oder in sogenannten Joint Ventures oder eben in Lizenzmodellen, wie die Lichtenauer Enviplan es versucht hat, um auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Spezialisiert auf die Klärung von Abwasser hat sich Roland Damann, Geschäftsführer der enviplan Ingenieurgesellschaft, intensiv mit dem chinesischen Markt auseinandergesetzt.

Allem voran mit der Wettbewerbssituation. Immerhin gibt es über 1.000 Wettbewerber in China. Aber mit patentierten Verfahren, bei denen jede Anlage eine Einzelfertigung ist, konnte er mit Lizenzen den Markteintritt im Reich der Mitte optimal organisieren: „Aufgrund der technischen Spezialisierung und unserem Know-how aus über 300 Projekten weltweit wussten wir, was wir wollen und was wir können“, erläutert Damann dem Publikum. Inzwischen zählt der chinesische Lizenznehmer Shuimu zu den Top 10 der chinesischen Start-ups in der Umwelttechnik. Und die Aussichten sind rosig: In den kommenden Jahren werden 20.000 kommunale Kläranlagen gebaut oder erweitert. Für Damann liegt auf der Hand: „Natürlich sind wir klein, aber scheinbar marktgerecht innovativ. Und das ist entscheidend.“

Das zu den 15 größten Süßwarenherstellern weltweit zählende Haller Unternehmen August Storck verfolgt eine andere Strategie. „Wir liefern ausschließlich Fertigwaren nach China“, erläutert Gunnar Schweitzer, bei Storck zuständig für die Fertigwarendisposition in Asien.

Überrascht wurde Storck von dem Hype um Knoppers, der das Unternehmen vollkommen unvorbereitet traf. Aufgrund verschiedener Lebensmittelskandale wie Gammelfleisch und Speiseöl entwickelte sich die Nachfrage nach ausländischen Lebensmitteln in atemberaubender Geschwindigkeit. „In China gibt es eine gut situierte Mittelschicht von rund 100 Millionen Menschen, die sich diese leisten können. Durch die sozialen Medien wie WeChat beschleunigen solche Hypes umso mehr“, wie Schweitzer sagt. Diese rasante Entwicklung ging sogar soweit, dass versucht wurde Knoppers-Bestände aus anderen Ländern aufzukaufen, um sie in China zu vertreiben.

Aufgrund der langen Transportwege sei zudem wegen der relativ kurzen Mindesthaltbarkeit für das Milchcremeprodukt ein ganz anderes Problem entstanden: „Mit einer dreimal dickeren Folie konnten wir das aber lösen, und haben inzwischen eine Haltbarkeit von 12 Monaten für den chinesischen Markt realisiert“, so Schweitzer weiter.

Von enormen Wachstumsraten bei der E-Mobilität in China berichtetet Christoph Hoene, Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensberatung aus Stuttgart. „E-Mobilität in China ist auf der Überholspur. Auch wenn der chinesische Markt eine enorme Nachfrage nach Batterien erzeuge, ist sich Hoene sicher, dass chinesische Autohersteller bald auch den Weltmarkt mit ihren E-Autos bedienen könnten.

Nach dem Start von Tesla sind in China eine Vielzahl neuer Unternehmen gegründet worden, die sich auf die alternative Antriebsart für Fahrzeuge spezialisiert haben. Dieses Geschäft haben deutsche Unternehmen schlichtweg verpasst, so Hoene. Erst langsam versuchten sie Fuß zu fassen, wie beispielsweise VW, das sich gemeinsam mit General Motors am chinesischen Autohersteller NIO beteiligt habe. „Auch wenn der chinesische Markt eine enorme Nachfrage nach Batterien erzeuge, ist sich Hoene sicher, dass chinesische Autohersteller bald auf den Weltmarkt mit ihren E-Autos bedienen könnten. Ein Beispiel dafür sei CATL (Contemporary Amperex Technology Co): Der größte Batteriezellen-Hersteller in China möchte auch weltweit der größte Anbieter werden und plant die Fertigung von Batterien für die E-Mobilität in Thüringen.

Dieses Investment zeige, dass der Zug auch in die andere Richtung unterwegs ist und sich deutsche Unternehmen auf einen starken Wettbewerb auf den Märkten der Zukunft im eigenen Land einstellen müsse, so Professor Langemeyer, Prodekan Betriebswirtschaft an der FHDW.