Millennials – die gefährdete Generation

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„Millennials – die gefährdete Generation“

Christoph Schmallenbach, Generali Deutschland, und Prof. Dr. Michael Heuser, Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA), im Interview


Prof. Dr. Michael Heuser und Christoph Schmallenbach

Prof. Dr. Michael Heuser (l.), wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA), und Christoph Schmallenbach, Mitglied des Vorstands der Generali Deutschland AG , im Interview

Prof. Dr. Michael Heuser (l.) ist Professor an der FHDW und zugleich wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA). Das DIVA ist Hochschulinstitut der FHDW und Forschungsinstitut des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (BDV). Es veröffentlicht je zweimal jährlich den Deutschen Geldanlage-Index (DIVAX-GA) und den Deutschen Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV).

Christoph Schmallenbach ist Mitglied des Vorstands der Generali Deutschland AG und hier verantwortlich für den Exklusivvertrieb. Die Generali Deutschland ist die zweitgrößte Erstversicherungsgruppe im deutschen Markt.


Das Thema: „Millennials – die gefährdete Generation“

In den vergangenen drei Jahren führte Generali Deutschland eine Langzeitstudie zur Altersvorsorge von jungen Menschen durch. Das DIVA ermittelt zweimal jährlich den Deutschen Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV). Beide Initiativen, sowohl der Generali als auch des DIVA, basieren auf repräsentativen Befragungen junger Menschen zwischen 20 und 30 Jahren. Sie erlauben Schlussfolgerungen auf Einstellungen und Sichtweisen der Millennials zu ihrer Altersabsicherung. Im Interview mit der FHDW kommen Christoph Schmallenbach und Michael Heuser zum Ergebnis: Die Millennials sind bezüglich ihrer Altersversorgung eine „gefährdete Generation“ – und sehen das selbst auch sehr realistisch.

FHDW: Herr Schmallenbach, Herr Heuser, viele junge Menschen – bleiben wir ruhig beim Begriff „Millennials“ – fühlen sich beim Thema Altersversorgung und ihrer Komplexität überfordert. In diesen Wochen haben die Generali ihre neue Studie zur „Gefährdeten Generation“ und das DIVA seinen neuen Altersvorsorge-Index veröffentlicht. Erklären Sie uns bitte die weitreichende Problematik, die dahintersteckt. Was sind Ihre Erkenntnisse?

Schmallenbach: Das Fazit unserer Generali-Studie fällt ziemlich eindeutig aus: Die jungen Generationen um die 30 und darunter fühlen sich in der Rentendiskussion vergessen. Wenn heute in der Öffentlichkeit über die Rente diskutiert wird, dann stehen zumeist diejenigen Bevölkerungsgruppen im Vordergrund, die kurz vor der Rente stehen oder bereits Rentner sind. Viele junge Menschen haben den Eindruck, sie seien angesichts der demografischen Entwicklung klar im Nachteil. Und sie fragen sich: Werden unsere Renten in ferner Zukunft überhaupt noch finanzierbar sein?

Heuser: Das bestätigen auch die Untersuchungen des DIVA. Mehr als 60 Prozent der jungen Leute unter 30 Jahre machen sich Sorgen, im Alter von Armut betroffen zu sein. Wir fragen übrigens auch die Älteren – sozusagen die Eltern- und Großeltern-Generation –, ob sich junge Leute, die heute in ihren Zwanzigern sind, Sorgen machen müssen. Eine überwältigende Mehrheit, über 80 Prozent, meint, dass ihre Kinder und Enkel im Alter in eine Armutsfalle laufen könnten.

FHDW: Halten Sie diese Sorge für berechtigt?

Heuser: Definitiv. Denn am demografischen Dilemma führt kein Weg vorbei. Von der Elterngeneration gibt es ziemlich viele, man spricht von den Babyboomern. Das Dumme für das Rentensystem ist, dass diese Babyboomer selbst nicht genug Kinder haben, also Beitragszahler von morgen. Die Konsequenz: Die wenigen Jungen müssen eine erhebliche finanzielle Kraftanstrengung betreiben, um die Renten ihrer vielen Eltern zu bezahlen. Gleichzeitig müssen sie mehr Geld auf die hohe Kante legen, um selbst ein gedeihliches Auskommen im Alter zu haben.

Schmallenbach: Die Millennials sind in einer Sandwich-Position. Das zeigen auch die Rentenprognosen, die zum Teil bis 2070 gehen. Das mag nach ferner Zukunft klingen, ist es aber überhaupt nicht. Die Rentner 2070 sitzen heute in den Hörsälen der FHDW, beenden heute ihre Ausbildung, beginnen heute zu arbeiten. Es ist jetzt die Zeit und, wie ich finde, auch ein Gebot der politischen Redlichkeit, dass die Gesellschaft sich Gedanken über die Finanzierbarkeit und Reformierbarkeit des Rentensystems macht.

FHDW: Wie könnte eine Lösung aussehen?

Schmallenbach: Der bislang einfachste Weg war ja, die Rentenlöcher mit Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt zu stopfen. So haben wir es bisher gemacht. Schon heute legt der Steuerzahler auf die Umlage, die die Jungen in den Rententopf zahlen, noch mal 100 Mrd. Euro im Jahr drauf. Ich halte das mittel- bis langfristig nicht für die richtige Lösung.

Heuser: Die wichtigen Stellschrauben unseres aktuellen Rentensystems sind die Beitragssätze, die Rentenhöhe, das Renteneintrittsalter, derzeit 67 Jahre, und Bundeszuschüsse. Die rechnerische Lösung unserer Rentenprobleme ist simpel: späterer Renteneintritt oder höhere Beiträge oder weniger Rente oder höhere Steuerzuschüsse – oder auch alles gleichzeitig, damit jeder einzelne Eingriff moderat bleibt.

Schmallenbach: Das Problem ist, dass wir bereits heute beim Rentenalter, bei den Beitragssätzen, bei der Rentenhöhe an Schmerzgrenzen angekommen sind. Sie zu überschreiten, ist politisch schwierig. Und einer beliebigen Ausweitung der Bundeszuschüsse setzen die gewaltigen Corona-Ausgaben enge Grenzen.

Heuser: Und das demografische Dilemma kommt gerade erst auf uns zu; die große Rentnerwelle der Babyboomer baut sich gerade erst auf.

FHDW: Heißt das, dass der Generationenvertrag, also dass die Jungen die Renten für die Alten verdienen, langfristig ein Auslaufmodell ist?

Heuser: Der Generationenvertrag wird aus meiner Sicht langfristig Bestand haben. Auch künftig wird die arbeitende Bevölkerung im Umlageverfahren die Rentnerinnen und Rentner unterstützen. Das wird aber immer weniger reichen. Die Lücke zwischen dem, was man im Alter braucht, und dem, was man aus der gesetzlichen Rente bekommt, wird größer werden. Am Ende wird es auf drei Optionen zulaufen, zwischen denen die Gesellschaft und der Einzelnen wählen können: länger arbeiten, weniger Rente, selber vorsorgen.

Schmallenbach: Der Generationenvertrag wird künftig nicht mehr die alles dominierende, sondern nur noch eine von mehreren Säulen unseres Vorsorgesystems sein. Die weiteren Säulen der Altersabsicherung – betrieblich und private Vorsorge – müssen stärker werden.

FHDW: Welchen Ratschlag haben Sie für die jungen Menschen in Deutschland?

Schmallenbach: Nur wer selbst etwas tut, wird im Alter ein auskömmliches Leben führen können.

Heuser: Jedem 20-Jährigen muss klar sein: Mit dem Start ins Berufsleben muss auch der Aufbau privater Altersvorsorge beginnen. Das müssen keine hohen Beträge sein; vielmehr sind drei Dinge entscheidend: Früh beginnen, kontinuierlich sparen, über Jahrzehnte durchhalten.

Schmallenbach: Kar ist, dass die Thematik für junge Menschen nicht einfach, zum Teil sogar extrem kompliziert ist. Deshalb halte ich es für unabdingbar, dass junge Menschen sich frühzeitig Unterstützung und Ratschlag holen, um die Weichen für ihre finanzielle Zukunft richtig zu stellen.

FHDW: Wie lassen sich junge Leute frühzeitig für ihre Altersabsicherung interessieren?

Schmallenbach: Dabei müssen Politik, Rentenversicherung und auch wir als private Versicherungswirtschaft Hand in Hand gehen. Wir brauchen eine breite, umfassende Aufklärung zum Thema Altersversorgung – gerade für junge Leute.

Heuser: Wichtig ist auch eine gute Beratung. Das ist ein wiederkehrendes Muster in unseren Befragungen: Weit mehr als andere sind Beratene überzeugt, sachgerechte, langfristig tragfähige Geldentscheidungen zu treffen. Wie auch immer, holen Sie sich guten Rat.

Schmallenbach: Wer optimal und sicher vorsorgen will, der braucht jemanden, der Wege aufzeigt. Die Expertise eines guten Beraters kann sehr nützlich sein, um seine Situation, seine Pläne und Perspektiven zu analysieren und zu einer soliden, stabilen, sicheren Altersabsicherung zusammenzubinden.

FHDW: Und die gesellschaftliche, politische Perspektive?

Heuser: Deutschland muss jetzt neue Wege in Sachen Altersvorsorge einschlagen. Reformen auf den Weg bringen. Das ist eine drängende gesellschaftspolitische Aufgabe. Wir müssen die Reformdiskussion heute führen, und zwar mit Vehemenz. Das muss ein wichtiges Thema im aufziehenden Bundestagswahlkampf werden.

Schmallenbach: Um die Alterssicherung zukunftsfest zu machen, muss vor allem die private Vorsorge einfacher und attraktiver werden – bei der Förderung und bei den Produkten. Ich erwarte, dass die Politik hierfür die Weichen stellt. Das muss keine Revolution sein – wir haben schon gute und effektive Instrumente, die jedoch an die jeweiligen Rahmenbedingungen angepasst werden sollten. Das heißt für uns auch, dass wir unsere Angebote einfacher gestalten. Denn wichtig ist, dass jungen Menschen eine Perspektive und nachvollziehbare Lösungen angeboten werden.

FHDW: Vielen Dank, Herr Schmallenbach, Herr Prof. Heuser, für das interessante, kurzweilige Gespräch.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter www.generali.de/gefaehrdete-generation/ und unter   www.diva.de.

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