Das DIVA, Hochschulinstitut der FHDW, hat die Wahlprogramme analysiert. Das ernüchternde Fazit: Viel Unbestimmtes, viele Versatzstücke, wenig Lösungskonzepte.

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DIVA analysiert die Programme der Parteien zur Bundestagswahl 2021

Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA), Hochschulinstitut der FHDW, hat die Wahlprogramme analysiert. Das ernüchternde Fazit: viel Unbestimmtes, viele Versatzstücke, wenig Lösungskonzepte.


Rentenkonzepte der Parteien: Viel Unbestimmtes, wenig Lösungen

Wie sich unser Rentensystem angesichts eines vehementen Demografie-Problems künftig finanzieren und reformieren lässt, ist eines der politischen Kernthemen der Bundestagswahl. Wie sehen die Vorschläge der Parteien aus? Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA), Hochschulinstitut der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW), hat die Wahlprogramme analysiert. Das ernüchternde Fazit: viel Unbestimmtes, viele Versatzstücke, wenig Lösungskonzepte.

Der demografische Wandel ist im Rentensystem angekommen. Sukzessive werden in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Wirtschaftswunderjahre aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Das Problem daran: Unser gesetzliches Rentensystem ist als Umlageverfahren organisiert, d.h. die arbeitende Bevölkerung finanziert die aktuellen Renten, Reserven gibt es kaum. Wenn die großen Jahrgänge in Rente gehen, schlägt das zweifach zu Buche: Die Zahl der Beitragszahler schrumpft, und die Zahl der Rentenempfänger wächst. Der Effekt verstärkt sich noch dadurch, dass mit dem „Pillenknick“ Mitte der 60er Jahre die Jahrgänge deutlich kleiner wurden.

Infolgedessen werden, so die Rentenkommission der Bundesregierung, in den nächsten zwei Jahrzehnten die Beitragszahler um 2,5 Millionen schrumpfen, während die Rentenempfänger um über 3 Millionen anwachsen. Hinter dem braven Begriff „demografischer Wandel“ steckt explosive Sprengkraft für das Rentensystem.

Welche Positionen haben die politischen Parteien? Alle wollen das aktuelle Leistungsniveau für die Rentner beibehalten: Rentenhöhe, heute 48 % des Durchschnittsverdienstes, und Renteneintrittsalter, bald 67 Jahre, sollen sich nicht verschlechtern. Die Linke legt sogar noch zwei Schippen drauf: Das Rentenniveau soll auf 53 % steigen, das Rentenalter wieder auf 65 Jahre sinken.

Wie soll das finanziert werden? Bereits heute schießt der Steuerzahler jährlich rund 100 Mrd. Euro zu – das sind rund 30 % der Rentenzahlungen, Tendenz deutlich steigend. Und künftig? Zusätzliche Steuern? Zusätzliche Schulden? Einhelliges Stillschweigen in den Wahlprogrammen.

Grüne, SPD und Linke streben Pflichtsysteme in Form von „Bürgerversicherungen“ für alle Erwerbstätigen – inklusive Beamte, Selbständige, Abgeordnete – an, um die Gruppe der Beitragszahler zu verbreitern. Beitragszahler werden aber früher oder später auch zu Rentenempfängern. Wegen der merklich höheren Lebenserwartung von Beamten bezweifeln Experten, dass eine solche Reform dauerhaft zu einer Entlastung des gesetzlichen Systems führen wird.

Union und FDP setzen auf mehr aktienbasierte Vorsorge, sei es mit einer „Generationenrente“ (Union) oder einer „Aktienrente“ (FDP); und auch der „Bürgerfonds“ der Grünen kann so verstanden werden. Ein sinnvoller Einstieg in eine langfristige Reform. Allerdings: Die Renten der geburtenstarken Jahrgänge lassen sich damit kurzfristig nicht finanzieren.

Ohne eine verstärkte staatliche Förderung privater Vorsorgeanstrengungen wird es auf Dauer nicht gehen. Dazu sind die Menschen, so Umfrageergebnisse des DIVA, auch bereit. Vorschläge der Union, der Grünen und der SPD beschränken sich allerdings auf ein staatliches „Standardprodukt“. Individuelle Präferenzen bei der Vorsorge finden so gut wie keine Berücksichtigung. Vorliegende, durchaus tragfähige Reformvorschläge der Riester-Rente werden ignoriert.

Das deutsche Rentensystem bedarf einer grundlegenden Reform. Sonst droht alles gleichzeitig: höhere Beiträge, länger arbeiten, weniger Rente. An dieser nüchternen Mathematik mogeln sich die Wahlprogramme der Parteien vorbei.

Weitere Pressemitteilungen des DIVA finden Sie im DIVA-Presseportal.

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