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Studie: Unternehmensnachfolge in Bayern

Übergeber und Übernehmer geben wertvolle Einblicke in den Nachfolgeprozess bei bayerischen Familienunternehmen

Im Freistaat Bayern werden zwischen 2017 und 2021 nahezu 30.000 Betriebe mit knapp über 500.000 Mitarbeitern vor einem Generationswechsel stehen. Das sind circa 6.000 Unternehmen und 150.000 Beschäftigte mehr als zwischen 2014 und 2018. Die rasante Dynamik und diese Größen­ord­nung verdeutlichen: Erfolgreiche Unternehmensübergaben sind nicht nur für betroffene Unternehmer und Mitarbeiter, sondern auch gesamt­wirtschaft­lich für Bayern von hoher Bedeutung.

Das Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie hat sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung in ihrem Ausmaß genau zu erfassen, bestehende Rahmenbedingungen und Unterstützungsmaßnahmen zu hinterfragen und Optimierungsmöglichkeiten im innerbetrieblichen Nachfolgeprozess aufzuzeigen. Daher beauftragte das Ministerium Prof. Dr. Frank Wallau von der FHDW im Frühjahr 2017 mit der Durchführung einer umfangreichen Studie zum Thema Unternehmensnachfolge in Bayern.

Die Studie beinhaltete zwei Arbeitsschwerpunkte. Im ersten Schritt erfolgte die Quantifizierung der zur Übertragung anstehenden Unternehmen in Bayern sowie in den einzelnen Regierungsbezirken. Mittels einer von der FHDW weiterentwickelten Berechnungsmethode wurden oben genannte Daten geschätzt. Im zweiten Schritt wurden zwei Befragungen mittels Telefoninterviews durchgeführt. Zum einen eine Unternehmensbefragung bei über 1.500 bayerischen Familienunternehmen und zum anderen eine Befragung von über 100 Nachfolgeexperten.

Zudem wurden im Rahmen der Studie die Passgenauigkeit bestehender Unterstützungsmaßnahmen durch die Gegenüberstellung von Bedarf und Angebot überprüft. Aufbauend auf den Befunden der vorangegangenen Untersuchungsschritte wurden abschließend wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen erarbeitet. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner: „Unternehmensnachfolge ist ein zentrales Thema bayerischer Mittelstandspolitik. Daher war es mir wichtig, einen detaillierten Einblick zu erhalten. Mit der nun vorliegenden Studie wissen wir ganz genau, was für eine erfolgreiche Übergabe entscheidend ist. Die Studie zeigt: Unsere Förder- und Beratungsinstrumente sind richtig und setzen genau dort an, wo Bedarf ist“.

Einige Ergebnisse der Studie

  • Bei zahlreichen Familienunternehmen wird in den nächsten Jahren ein Generationenwechsel anstehen. In Zukunft ist eine noch höhere Anzahl von Unternehmern im übergabereifen Alter zu erwarten, da die geburtenstarken Jahrgänge („Babyboomer“) auch unter den Selbstständigen zu finden sind und in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werden.
  • Eine erfolgreiche Übergabe hängt entscheidend davon ab, dass der Übergabeprozess frühzeitig eingeleitet wird: So gaben 80 % der befragten Berater an, dass Probleme bei der Nachfolge vor allem deshalb auftreten, weil sich Übergeber nicht rechtzeitig mit dem Thema beschäftigt haben.
  • Bevorzugt wird eine familieninterne Übergabe. Diese Präferenz nimmt im Laufe des Nachfolgeprozesses zu: Liegt etwa der Generationenwechsel noch mindestens zwei Jahre in der Zukunft, gehen rund 56 % der Familienunternehmen von einer familieninternen Übergabe aus. Steht hingegen der Wechsel unmittelbar bevor (weniger als zwei Jahre), erhöht sich die Zahl auf 76 %.
  • Die Übergeber, die einen familieninternen Generationenwechsel beabsichtigen, wollen den Eigentumsübergang häufiger in mehreren Schritten realisieren. Das Eigentum soll bei einer familieninternen Nachfolge durch Vererbung oder (Teil-) Schenkung und seltener durch einen Unternehmensverkauf auf die nächste Generation übertragen werden.
  • Falls der Übernehmer das Unternehmen kauft bzw. eine Beteiligung erwirbt, erfolgt die Finanzierung i.d.R. über einen Bankkredit und Eigenkapital. Beteiligungskapital Dritter, Förderdarlehen und auch Darlehen des Übergebers wurden weniger häufig genutzt.
  • Gut die Hälfte der Übergeber fühlte sich auf den Nachfolgeprozess gut oder gar sehr gut vorbereitet. Insbesondere zum Steuerrecht und zur Vertragsgestaltung bestand und besteht sowohl bei Übergebern als auch bei den Übernehmern allerdings Beratungsbedarf. Dabei wurde und wird in erster Linie auf Steuerberater/Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte zurückgegriffen. Eine Reihe von Unterstützungsangeboten war den Übergebern und Übernehmern allerdings nicht bekannt.
  • Ein erfolgreicher Neustart geht mit Veränderungen einher: Akzente werden vor allem in den Bereichen Marketing und Vertrieb gesetzt. Die Digitalisierung bleibt eine wichtige Herausforderung, gerade für das Handwerk. Nur die Hälfte (52 %) der Unternehmen hat eine Digitalisierungsstrategie entwickelt. Dabei waren die jüngeren Übergeber nicht wesentlich besser aufgestellt als die Übergeber.
  • Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Notfallvorsorge hat in den zurückliegenden Jahren zugenommen. Die befragten Unternehmer hatten größtenteils Vorkehrungen für den Fall der ungeplanten Nachfolge getroffen. Gleichzeitig bestehen aber auch hier noch Verbesserungsmöglichkeiten, zum einen bei den einzelnen Vorkehrungen, die für den Notfall getroffen sind, und zum anderen bei der Aktualität der Vorkehrungen.

zur StMWi-Pressemitteilung
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