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„Die Dozenten freuten sich über deutsche Studenten, die sie als freundlich, fleißig und intelligent empfinden.“

Erfahrungsbericht von Robin von Wrysz Rekowski

Bachelor-Studiengang International Business, Studienaufenthalt Oktober 2016 – Januar 2017 in Bukarest/Rumänien an der Rumänisch-Amerikanischen Universität
Gefördert über Erasmus+

Mehr Bilder bei Joanne Taylor

5:00 Uhr am Düsseldorfer Flughafen am 30.09.2016. Es beginnt die Reise zweier International-Business-Studenten der FHDW in ein neues Semester. Ihr Zielort: Die Romanian-American University (RAU) in Bukarest, Rumänien. Aber der Reihe nach…

Zuerst den heiß begehrten Platz in Rumänien ergattern

Die Planungen für einen Theorieaufenthalt an einer Partneruniversität der FHDW begannen schon früh in 2016. Das International Office der FHDW betreut die Studenten bei der Wahl einer Auslandsoption. Für mich galt es, einen der zwei heiß begehrten Plätze nach Rumänien zu ergattern. Mit reichlich Fernweh verfassten meine Kommilitonin und ich die Bewerbungsunterlagen bestehend aus Motivationsschreiben, Lebenslauf und aktueller Notenübersicht, und setzten uns im internen FHDW-Ausschuss konkurrenzlos durch. Mit dem Akzeptanzschreiben der RAU war unsere bevorstehende Reise durch beide Hochschulen genehmigt. 

Keine Studiengebühren und Erasmus+

Das Semester in Rumänien erstreckt sich über den Zeitraum von Oktober bis Mitte Februar. Ja, die Kenner des Studienverlaufplans staunen nicht schlecht. Rumänien bietet die Möglichkeit, durch einen geschickten Tausch von Praxis- und Theoriephasen ein vollwertiges Semester im Ausland zu verbringen. Doch das ist erst der Anfang. Während in anderen Ländern enorme Studiengebühren lauern, fallen an der RAU keine Studiengebühren an. Außerdem erfreut sich der Rumänenfan an der Erasmus+ Förderung. Das bedeutet, dass man durch ein Programm der Europäischen Union bei der Finanzierung des Auslandsaufenthalts unterstützt wird. Diese Mobilitätshilfe gleicht einem Stipendium in Höhe von ca. 900 €. Dieser Betrag wird in Raten zu 70 % vor der Abreise und zu 30 % nach Absolvierung des Auslandssemesters auf das private Konto des Studenten überwiesen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Konditionen fiel meine Wahl auf Rumänien.

Organisation der Unterkunft

Der nächste Schritt bestand darin, eine Unterkunft zu finden. Die RAU hat ein direkt am Campus angeschlossenes Studentenwohnheim mit WG-Zimmern. Mit dem Gedanken im Wohnheim schnell Kontakte knüpfen zu können und nah am Unigeschehen dran zu sein, entschieden wir uns für eine Reservierungsanfrage. Nachdem diese nach über zwei Monaten nicht beantwortet wurde, griff man zum Telefonhörer, um sich an die Kontaktperson vor Ort, Frau Andreea Stanca aus dem Erasmus+ Office zu wenden. Kein Grund zur Panik, ein Bett im Wohnheim ist reserviert. Im nächsten Schritt galt es, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen und Flüge zu buchen. Ein Visum ist nicht erforderlich.

Angekommen 

… am Flughafen Otopeni in Bukarest fanden wir ein Taxi, dass uns nach einer Fahrzeit von 15 Minuten zur Uni brachte. In der Eingangshalle des Wohnheims war ein Schreibtisch aufgebaut und der Manager des Wohnheims, der Wladimir Putin erschreckend ähnlichsah, begrüßte die Ankömmlinge. Ihnen reichte man den Wohnheimvertrag und verlangte Unterschriften und 2 Passbilder. Man zahlt für ein Zimmer (max. 20 qm), dass man sich mit zwei anderen Studenten teilt, inkl. angeschlossenem Bad, 100 € pro Person pro Monat. Eine Monatsmiete muss von jedem Studenten als Kaution hinterlegt werden.

Das Wohnheim ist nicht unbedingt zu empfehlen

Die strenge Hausordnung ist zu beachten. Alkoholkonsum im Wohnheim ist nicht gestattet. Es drohen Bußgeld und Rausschmiss. Als ein Student mit einer Dose Bier unterm Arm erwischt wurde, verwies ein Sicherheitsmitarbeiter auf die Kameraüberwachung und gab den Tipp, Alkohol in einem Rucksack oder einer Tasche zu transportieren.

Es wurde zum Alltag, Pizza und Pasta zu bestellen, denn es gibt keine Möglichkeit, im Wohnheim eine Küche oder gar einen Kühlschrank zu benutzen. Die nicht vorhandene Privatsphäre als auch die mangelnde Möglichkeit, essen zuzubereiten sind eindeutige Minuspunkte für das Wohnheim. Da überzeugt nur noch das Argument, im kalten Winter bei Schnee und Eis das Gebäude nicht verlassen zu müssen, sondern durch die Kantine bis zum Vorlesungsraum zu gelangen. Mitte November machten wir uns auf die Suche nach einer Mietwohnung mit zwei rumänischen Freunden. Wir fanden eine 2-Zimmerwohnung in Bahnhofsnähe, nur unwesentlich teurer als die Wohnheimmiete pro Person gerechnet.

Die Uni geht los

Der Einführungstag der Uni begann mit einer Begrüßung durch den Rektor. Anschließend wurden die Erasmus-Studenten durch das Unigebäude geführt und mit den Einrichtungen wie Kapelle, Copy Shop, Kantine, Café, Bibliothek und Fitnessraum vertraut gemacht. Ebenso stellten sich im Konferenzraum die Ansprechpartner an der Uni und das Studentenwerk vor.

Der Unterricht gliedert sich in Course und Seminar pro Unterrichtsfach. Das Semester ist unterteilt in zwei Module. So kann es sein, dass einige der von der FHDW ausgesuchten und im Learning Agreement festgehaltenen Fächer erst Mitte November, das heißt im zweiten Modul beginnen. Die Gruppengröße ist, wie von der FHDW bekannt, übersichtlich und die Atmosphäre familiär. Der Kontakt zu den Kommilitonen ist schnell gefunden und Handynummer und Facebookaccount direkt ausgetauscht. In der Facebookgruppe werden Termine, Fristen, Hausaufgaben und Sonstiges gepostet.

Sehr aufgeschlossene Top-Dozenten

Die Dozenten waren allesamt sehr interessiert an den deutschen Studenten und freuten sich über deutsche Studenten, die ihnen als freundlich, fleißig und intelligent in Erinnerung bleiben. Sozial haben wir uns gut integriert und auch das Unterrichtsmaterial brachte uns keine Probleme, obwohl die komplett englischen Materialien und die Themen der Unterrichtsfächer zunächst einschüchternd wirkten. Die Dozenten erwiesen sich als sehr kompetent und erfahren. Man wurde von Experten unterrichtet, die in Unternehmen oder Institutionen hohe Positionen innehaben und hatten.

Als Motivation zur Vorbereitung auf die Prüfungen gibt es das Verfahren, dass, wenn der Student in der Vorprüfung (ca. 2 Wochen vor der Hauptprüfungsphase) in der Course- und Seminarprüfung des Faches mindestens 8 von 10 möglichen Punkten erreicht, in diesem Fach nicht zur Hauptprüfung erscheinen muss. Der Student hat somit das Fach während des Semesters schon erfolgreich abgelegt.

Die Millionenstadt Bukarest erinnert an Paris

In einem Auslandssemester soll das Studieren aber nicht an erster Stelle stehen, denn es gibt in der neuen Umgebung viel zu entdecken. Bukarest ist eine Millionenstadt, die mit imposanten Gebäuden, wunderschönen Parkanlagen und einem regen Nachtleben glänzt. Zugegeben, der Glanz an den Fassaden der Häuser ist heruntergekommen, der Strom fließt überirdisch und viele Ruinen prägen das Stadtbild. Wenn man sich erst einmal an die osteuropäischen Bauten gewöhnt hat, die Klimaanlagen an den Hausfassaden und die unschönen Strommasten ausblendet, dann erinnert Bukarest stark an Paris, ist nur eben nicht ganz so schön wie die französische Hauptstadt. Ein eisiger Schneeregen untermauert das manchmal etwas düstere Stadtbild. Wenn die Stadt jedoch in eine Schneedecke eingehüllt ist und Sonnenstrahlen auf renovierte Gebäude, Baumalleen und Parkanlagen treffen, führt das zu wunderschönen Aufnahmen.

Wenn das Wetter nicht zum Spazieren einlädt, so lohnt es sich, in eine der riesigen Shoppingmalls zu fahren. Dort warten Unterhaltung, Kinos, Schnellrestaurants und Klamottenläden für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel. Sogar eine Indoor-Eisbahn zum Schlittschuhlaufen ist im Afi Palace aufgebaut. Wer auf Kultur steht, sollte die zahlreichen Museen aufsuchen. Zum Pflichtprogramm zählt der Regierungspalast. Und Feinschmecker probieren am besten die sehr süßen, rumänischen Backkreationen.

Sind die Preise in Rumänien so niedrig wie oft behauptet? Ja!

Man kann mit 400 – 500 € pro Monat sehr gut in Bukarest leben. Die rumänische Währung heißt „Lei“, wobei ein Euro ungefähr 4,5 Lei entspricht. Die Preise für Lebensmittel sind im Vergleich zu den deutschen Preisen viel niedriger. Sehr gut kann man im Discounter „Mega Image“ einkaufen, der häufig sogar 24 Stunden jeden Tag geöffnet hat. Bier ist günstiger als Milch. Geschätzt sind rumänische Lebensmittel im Durchschnitt etwa 30 % günstiger als in Deutschland. Lediglich Hygieneartikel kosten etwas mehr als in Deutschland. Eine Taxifahrt kostet umgerechnet 40 Cent pro Kilometer. Noch günstiger ist der ÖPNV. Empfehlenswert ist das Fahren mit der Metro, die nicht nur bei dichtem Verkehr und Schneefall deutlicher schneller ans Ziel führt.

Überschlag der Lebenshaltungskosten pro Monat

Kosten 
Wohnen im Wohnheim100 €
Wohnen in Mietwohnungs-WG warm130 - 200 €
Internet im Wohnheim 
17 €
Verpflegung250 €
Mobilität30 €
Freizeit100 €
Total500 - 600 €

Top 5 Tipps für den rumänischen Alltag

  1. Basisvokabular rumänisch lernen
  2. Eine ordentliche Portion Gelassenheit an den Tag legen, wenn etwas auf Anhieb nicht funktioniert
  3. Taxis nur per App, z. B.: „StarTaxi“ bestellen (Fahrer sind seriös; keine Abzocke)
  4. Metrofahrkarten gibt es an jeder Metrostation; Fahrkarten für Tram und Bus gibt es nicht in den Fahrzeugen, sondern nur an den Verkaufsstellen
  5. Party machen bei den wöchentlichen Erasmus-Clubpartys

Fazit

Ich empfehle den Aufenthalt in Rumänien für Studenten, die sich ein osteuropäisches Land näher anschauen möchten und ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis anstreben. Nicht nur persönlich bringt das Semester viele Freundschaften, Erfahrungen und erzählenswerte Geschichten, auch fachlich steht die Unterrichtsqualität der gewohnten in nichts nach. Der Aufenthalt in Rumänien war ein Experiment, ein Nein zum Mainstream der üblichen Erasmus-Zielländer und definitiv ein unvergessliches Erlebnis.