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„Gleich waren alle sehr freundlich und aufgeschlossen mir gegenüber. Wie ich später herausfand, eine typisch katalanische Eigenschaft.“

Erfahrungsbericht von Sarah Osterholt

Bachelor-Studiengang International Business, Praktikum Januar - April 2012 in Barcelona bei Hörmann

Erfahrungsbericht Sarah Osterholt während des dualen Studiums International Business IBS

Raus aus der Kleinstadt auf nach Barcelona

Am 2. Januar 2012 hieß es für mich raus aus der beschaulichen Kleinstadt und auf nach Barcelona - genauer gesagt, Terrassa. Wahrscheinlich sagt euch Terrassa nichts, aber es handelt sich um eine Stadt mit rund 250.000 Einwohnern, die es wohl ihrer Nähe zu Barcelona verdankt, dass so gut wie niemand ihren Namen kennt. Ich habe in Terrassa bei der Hörmann Espana, S.A. gearbeitet. Ich bekam diesen Praktikumsplatz, da ich im Rahmen meines International-Business-Studiums an der FHDW in Bielefeld die Hörmann KG als Partnerunternehmen habe und so schon bei Hörmann in Deutschland Praxisphasen absolviert hatte.

Nach der Zusage für den Praktikumsplatz musste ich also den Flug buchen. Es ist zu empfehlen, so früh wie möglich zu buchen. Günstige Flüge gibt es beispielsweise bei Germanwings und Air Berlin. Falls man, was bei einem mehrmonatigen Aufenthalt im Ausland ja nicht ungewöhnlich ist, Übergepäck hat, kann sich die Air Berlin Service Card lohnen. Dafür kann man dann auf jedem Flug 32 kg anstatt den üblichen 20 kg mitnehmen.

Ich habe dann noch zusätzlich zu der Auslandskrankenkassenkarte, die sich jeder unbedingt (auch für Urlaubsreisen) von seiner Krankenkasse ausstellen lassen sollte,  eine Auslandskrankenversicherung bei der HUK Coburg abgeschlossen. Achten sollte man darauf, dass in der Versicherung das Ausfliegen zurück nach Deutschland inbegriffen ist.

Doch wo sollte ich wohnen? Vom Unternehmen bekam ich keine Wohnung gestellt, also hieß es: selber suchen! Man kann natürlich über Internetseiten suchen und bekommt auch Bilder zu den angebotenen Wohnungen, aber darauf wollte ich mich nicht verlassen, da ich von anderen gehört hatte, dass man damit auch des Öfteren eine schlechte Wahl treffen kann. Eine ‐ wie ich finde ‐ gute Alternative ist es, eine Agentur zu beauftragen auch wenn man dafür eine Provision bezahlen muss. In Terrassa empfiehlt sich „Vidalgoma“. Eine kleine Wohnung mit Bad mit Dusche, Küche, Waschmaschine, Schlaf‐ und Wohnzimmer, die meist schlauchartig angelegt ist, ist ab 450 Euro zu mieten. Allerdings muss man dann mit Straßenlärm rechnen. In etwas ruhigeren Wohnungsgegenden geht es ab 550 Euro los. Ich hatte nachher jedoch das Glück, in eine Wohnung bei meiner Kollegin in eine sogenannte Urbanisation zu ziehen. Eine Urbanisation ist sozusagen ein Berg bzw. einige verbundene Berge, auf denen von oben bis unten Einfamilienhäuser stehen. Alle sind umgeben von Mauern, jedoch ist jede Mauer einzigartig. Näher kann man dem Kleinstadtleben in Barcelona nicht kommen. Möchte man sich die Wohnungen vor Ort erst ankucken, ist ein Hostal eine gute Übergangslösung.

Erst mal angekommen, war es für mich am wichtigsten, mir eine spanische Handykarte und eine Mircro‐SIM für mein iPad zu besorgen. An Handygeschäften gibt es in Spanien wahrlich keinen Mangel, aber man wundert sich am Anfang schon darüber, dass man durchschnittlich eine halbe Stunde und länger anstehen muss, um bedient zu werden. Meiner Erfahrung nach hat man mit Vodafone den besten Internetzugang. Es gibt von Vodafone Karten, die für drei Monate aktiviert sind und mit denen man 1 GB freien Internetzugang in den 30 € einbegriffen hat. Weitere GBs können zugekauft werden. Es gibt in der Stadt auch einige HotSpots (durch Schilder mit blauen „W“s gekennzeichnet). Prepaidkarten, um günstig ins europäische Ausland zu telefonieren, gibt es von fast allen Anbietern. Es lohnt sich bei längeren Aufenthalten auf jeden Fall sich eine spanische SIM‐Karte zuzulegen!

Ein spanisches Konto habe ich mir nicht eingerichtet, da man mit einer deutschen EC‐Karte an allen Geldautomaten, die das Symbol „ServiRed“ tragen, keine (oder nur von einer Bank) Gebühren zahlen muss. In fast allen Geschäften kann man außerdem mit Kreditkarte bezahlen.

Im Bereich Logistik bei Hörmann - von Routenplanung bis SAP

Nun aber zu meinem Praktikum an sich: Am ersten Tag meines Praktikums war ich natürlich trotz all der Beteuerungen von meinen Kollegen aus Deutschland nervös. Wie ist es wohl in einem spanischen Büro? Werden sie mich mögen oder stehen sie einer Praktikantin aus Deutschland in Zeiten der Wirtschaftskrise eher kritisch gegenüber? Nach zehn Minuten war meine Aufregung verflogen. Unsere Personalchefin führte mich sofort herum und stellte mich allen vor. Gleich waren alle sehr freundlich und aufgeschlossen mir gegenüber. Wie ich später herausfand, eine typisch katalanische Eigenschaft. Ich wurde super aufgenommen und habe mich schon nach einer Woche richtig integriert gefühlt.

Hier in Spanien sind die Mittagspausen ja etwas länger, wobei es bei uns, für spanische Verhältnisse sehr kurz, eine Mittagspause von einer Stunde gab. Außerdem ist es hier üblich, öfters eine Kaffeepause einzulegen. Bei uns traf man sich also immer am Kaffeeautomaten, was sehr gut geeignet ist, um mit Kollegen ins Gespräch zu kommen. Anders als in Deutschland, wo ich es eher kannte, bei Beendigung des Praktikums etwas im Büro auszugeben, wurde ich hier aufgefordert zu Beginn eine Tortilla mitzubringen. Da stand ich also, aber es hat doch ganz gut geklappt, zumindest haben alle gesagt , es hätte ihnen gut geschmeckt und ich hatte meinen „Aufnahmetest“ bestanden.

Ich wurde zu Beginn vor allem im Bereich Logistik eingesetzt. Zunächst war ich hauptsächlich für die Verladungen von den Werken in Deutschland zu uns nach Terressa verantwortlich. Später half ich auch bei der Routenplanung im Inland. Zudem kamen natürlich allerlei administrative Aufgaben. Außerdem beschäftigte ich mich, in Zusammenarbeit mit unserer Finanzchefin, mit der neu eingeführten SAP-Software und den in diesem Zusammenhang zu meisternden Aufgaben. Für die Verladung aus den deutschen Werken nach Terressa war ich nach einiger Zeit, natürlich mit Absprache meiner Kollegin, organisatorisch weitgehend selbst verantwortlich. In Bezug auf die Softwarefragen habe ich vor allem als eine Art Schnittstelle gedient. Mir wurde hier in Spanien ein Problem mit dem System erklärt, welches ich dann, meist durch Rücksprache mit dem EDV‐Team in Deutschland, zu lösen versuchte und die für die Lösung benötigten Schritte, wenn möglich/notwendig, selbst durchführte. So bekam ich einen guten Einblick in das SAP‐ und das von Hörmann genutzte Warenwirtschaftssystem. Näheres zu meinen Aufgaben kann ich aus Datenschutzrechtlichen Gründen hier nicht angeben.

Wenn ich eine Frage oder ein Problem hatte, waren meine Kollegen immer stets hilfsbereit und gaben einem das Gefühl, dass man sich auf keinen Fall für seine Fragen schämen muss. Auch wenn ich Fragen persönlicher Natur hatte, wie die zuvor abgehandelte Wohnungssuche oder Ähnliches, bekam ich stets hilfreiche Infos von ihnen. Das Betriebsklima war im Allgemeinen trotz der in Spanien allgemein angespannten Wirtschaftslage wirklich gut und es herrschten keinerlei Konkurrenzkämpfe o. ä. Ich habe mich auf der Arbeit wirklich sehr wohl gefühlt. Einzig die Erstellung meiner Praxisarbeit und die Beschaffung von Materialien für diese gestalteten sich schwierig. Dies galt sowohl firmenintern als auch außerhalb. Es ist nicht möglich, Bücher aus den Unibibliotheken der Wirtschaftsunis in Barcelona auszuleihen, wenn man nicht entweder an einer Uni in der Stadt eingeschrieben ist oder einen Erasmusstudentenausweis besitzt, was bei Erasmuspraktikanten allerdings nicht der Fall ist. Man kann die Bücher aber vor Ort in den Bibliotheken einsehen und kopieren, was allerdings mit 20 Cent pro Kopie sehr teuer ist. Zudem ist die Auswahl an englischer Fachliteratur, zumindest war das in Bezug auf mein Thema so, eher begrenzt. Deutsche Fachliteratur ist meist gar nicht vorhanden.

Für Barcelonas Partynächte braucht man Durchhaltevermögen 

In Barcelona kann man sich gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. In der Innenstadt kommt man am besten mit der Metro voran. Für weiter außerhalb gelegene Ziele gibt es die Vorortbahn „FGC ‐ Ferrocarilis" und die Bahn „renfe“. Der größte Bahnhof der Stadt ist „Barna Sants“. Von hier aus fahren die Langstreckenzüge sowie der Zug zum Flughafen ab.

Fliegen innerhalb von Spanien ist übrigens meist nicht günstiger, als dieselben Ziele von Deutschland aus anzufliegen, und auf Grund der großen Entfernungen dauern Bahn‐ oder Autoreisen ins Inland sehr lange. Bei Autoreisen kommen meist noch nicht unerhebliche Mautgebühren dazu.

In Bezug auf Alltag und Freizeit kann ich sagen: Barcelona hat gehalten, was ich mir vorgestellt hatte. Es gibt unzählige Sightseeing-Ziele, wobei ich jedem einen Besuch auf „Montjuic“ ans Herz legen würde. Natürlich gehört es auch dazu, über den „Passeig de Gracia“ oberhalb der „Placa Catalunya“ mit seinen zahlreichen Nobelboutiquen aber auch einigen angeschlossenen Outlets zu flanieren. Auch der klassische Walk von der „Placa Catalunya“ den ca. 1 km langen „Rambla“ runter, mit gelegentlichen Abstechern in die Seitengassen und in die „Bouqueria“, die große Markthalle, lohnt sich auf jeden Fall. Hier sollte man sich einen der leckeren Fruchtsäfte gönnen. Achtung jedoch: Man sollte erst  zugreifen, nachdem man Kontakt mit dem/der Verkäufer/in aufgenommen hat. In den meisten Fällen darf man sich die Sachen hier nicht nehmen, sondern sie werden einem vom Personal gereicht.

Bei gutem Wetter ist der wirklich sehr schöne und saubere, wenn auch künstlich angelegte, Stadtstrand ein gutes Ausflugsziel, doch auch der „Rambla del Mar“ am Hafen mit den „Mare Magnum“‐Einkaufszentrum und zahlreiche Restaurants sowie dem berühmten Aquarium und dem IMAX und „cinessa“ ist sehr schön. Hier kann man sich gut mit Freunden treffen.

Was die Ernährung angeht, sollte man nicht in einem der Restaurants direkt am „Rambla“ essen, sondern sich in die Nebengassen begeben. Empfehlenswert sind auch kleinere „Bodegas“. Die katalanische Küche gilt neben der baskischen als beste Spaniens und das nicht zu unrecht. „Pan amb tomaquet“, „Tortilla“ „gofres“ und „crema catalana“ sind nur zwei der zahlreichen Leckereien. Vor allem in Sachen Süßkram macht den Katalanen keiner etwas vor. Tapas hingegen sind nicht typisch katalanisch, aber man bekommt sie (für die Touristen) trotzdem überall.

Gewöhnungsbedürftig ist für Nordeuropäer, dass man hier erst ab 14 Uhr zu Mittag isst und somit auch das Abendessen frühestens um 21.00 Uhr, am Wochenende auch nicht selten später, beginnt. Außerdem isst man traditionell ca. drei Gänge, wobei meist das Prinzip „mar y muntanya“ (stellvertretend für Fisch und Fleisch) eingehalten wird. Günstig einkaufen kann man bei Aldi oder Lidl, wo man oft auch die gleichen Produkte wie in Deutschland findet, sowie bei „Eroski“, der vom Sortiment her auch Elektrogeräte, Schreibwaren etc. anbietet. Dasselbe gilt für die Kette Carrefour.

Will man Barcelonas Partynächte genießen, sollte man Durchhaltevermögen besitzen. Meist beginnt ein Abend damit, durch verschiedene Bars zu ziehen und sich ab ca. 1.00 Uhr in einen Club zu begeben. Man findet in Barcelona alles: von eher alternativen Clubs in Gracia, über Jazzbars bis hin zum Mainstream und House im Hafenviertel. Im „Port Olympie“ sollte allerdings noch mehr als sowieso schon in der Stadt auf die eigenen Sachen aufgepasst werden. Daher nachts nur das mitnehmen, was man wirklich braucht. Die Gefahr der Taschendiebe in Barcelona sollte man wirklich nicht unterschätzen und auf keinen Fall einen Rucksack oder eine Umhängetasche auf dem Rücken tragen. Beobachtet man die Einheimischen, wird man bemerken, dass diese ihre Taschen immer vorne oder unter der Kleidung tragen.

Was man nicht unterschätzen sollte, wenn man nach Katalonien geht, ist die Zweisprachigkeit. Die „eine offizielle Sprache“ ist hierbei das „Catalán“, in dem z. B. auch in den Schulen unterrichtet wird. „Castellano“, also das Hochspanisch, das wir in Deutschland lernen, sprechen zwar alle, wenn man sie darum bittet, doch für Situationen im Privatleben, um z. B. Gesprächen zu folgen, ist es schon nützlich, ein wenig Catalán zu verstehen und eventuell sogar zu sprechen. Dies wird von den Einheimischen auch geschätzt. Die Katalanen lieben und leben ihre Sprache. So ist es kein Problem, abends einen Catalán‐Sprachkurs zu absolvieren, doch Castellano ist abends überwiegend im Rahmen von Privatunterricht (ca. 70 € pro Doppelstunde) zu erhalten. 

Infos über die Stadt erhält man unter www.bcn.cat, Metro‐ und Bahnkarten lassen sich unter www.tmb.es ausdrucken. Infos über das aktuelle Geschehen gibt es monatlich in zahlreichen Internetmagazinen. Empfehlenswert finde ich außerdem den „Marco Polo Low Budget“‐Reiseführer, da Studenten ja chronisch knapp bei Kasse sind.

Fazit

Ich kann einen Praktikumsaufenthalt in Barcelona oder Terrassa nur empfehlen. Ihr werdet hier viele neue Erfahrungen machen und Barcelona wird euch positiv überraschen!