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„Es ist einfach angenehmer, die Kollegen beim Vornamen zu nennen und nicht über Siezen und Duzen zu grübeln.“

Erfahrungsbericht von Lisa-Marie Niermann 

Bachelor-Studiengang International Business, Praktikum Januar - Juni 2017 in Birmingham bei IMI Precision Engineering
Gefördert über Erasmus+

Erfahrungsbericht Lisa-Marie Niermann während des dualen Studiums International Business IBS

Organisatorisches vor der Abfahrt

Zugegebenermaßen wollte ich mich anfangs gar nicht für das Stipendium Erasmus+ bewerben, da ich dachte, meine Noten würden nicht ausreichen. Schlecht bin ich zwar nicht, aber einen Einser-Schnitt konnte ich nicht vorzeigen. Ganz spontan habe ich mich dann doch dazu entschlossen, es zu versuchen, verfasste ein Motivationsschreiben und wurde letztendlich doch akzeptiert!

Da ich noch eine zusätzliche Arbeitsversicherung neben der allgemeinen Krankenversicherung brauchte, habe ich einfachheitshalber die Versicherung des DAAD in Anspruch genommen. Diese kostet 32 Euro pro Monat und der Bewerbungsprozess läuft unglaublich schnell und flüssig ab. Ich weiß nicht, ob es die günstigste Variante war, aber ich habe mich auf jeden Fall in sicheren Händen gefühlt. 

Der Kontakt zum Unternehmen in Birmingham hätte nicht besser laufen können. Über meine Mentorin bei IMI Buschjost (gehört zu IMI Precision Engineering), die bereits einige Jahre in Birmingham gearbeitet hat, bin ich in Kontakt mit meinen Mentorinnen in England gekommen. Sie haben mich bei jeder kleinen Schwierigkeit (Bankkonto, National Insurance, ...) perfekt unterstützt. Auch vor meiner Ankunft hatte ich einige Telefongespräche, um Inhalte des Praktikums zu klären – und ein Willkommensgesprӓch vor meinem eigentlichen Start. Der Kontakt zur FHDW war ebenfalls super. Meine Ansprechpartner waren sehr kompetent und der Ablauf der Bewerbung und weitere Schritte waren durchdacht und gut organisiert.  

Mein Partnerunternehmen hat sich um die Bezahlung meiner Unterkunft gekümmert, ich habe es allerdings bevorzugt, mir die Wohnung selber auszusuchen. Vor meinem Aufenthalt habe ich mit einigen Trainees aus unserem Headquarter in Birmingham geschrieben, die mir nützliche Tipps für die Wohnungssuche gaben. Ich habe letztendlich in einem großen Apartment im Jewellery Quarter inmitten von Birmingham gewohnt. Die Kosten hierfür beliefen sich auf ca. 700 Pfund im Monat. Die meisten jungen Leute leben hier jedoch in Wohngemeinschaften, was natürlich wesentlich günstiger ist. Beachten müsst ihr auf jeden Fall die Council Taxes, welche um die 100 Pfund im Monat betragen!

Birminghams Flughafen ist nicht weit entfernt vom Stadtzentrum (10 min. mit Zug) – die Anreise war also ziemlich einfach. 

Die ersten Tage im Unternehmen 

Der Anfang war... schwierig! Ich war eher an amerikanisches Englisch gewöhnt, da war britisches Englisch schon eine Umstellung. Der Dialekt in Birmingham ist recht stark – wenn man den versteht, versteht man vermutlich jeden englischen Dialekt! Natürlich ist der Dialekt nicht bei jedem so ausgeprägt, aber manche Leute konnte ich anfangs wesentlich schlechter verstehen, als andere. Man gewöhnt sich aber natürlich daran.

Ansonsten waren die ersten Tage super – ich wurde direkt in das Team aufgenommen, unsere Trainees haben mich mit auf Partys genommen und ich wurde perfekt eingegliedert. Während meines Aufenthalts habe ich viel mit den Trainees oder anderen jüngeren Kollegen unternommen, die man schnell kennengelernt hat. 

In der Praxisphase standen Arbeitgeberattraktivitӓt und Rekrutierung im Fokus

Mein Schwerpunkt in dem 6-monatigen Praktikum bei IMI Precision Engineering lag auf dem Thema Employer Branding (Arbeitgeberattraktivitӓt), worüber ich auch meine Praxisarbeit geschrieben habe. Das Thema ist ziemlich vielfältig und hat mir einige Dinge ermöglicht. Einerseits z. B. die Vorbereitung der Repräsentation unserer HR-Abteilung auf der Hannover Messe, andererseits habe ich viele Seminare besucht. Ein Seminar z. B. war für meine persönliche Weiterentwicklung: ein Women-in-Leadership-Seminar mit regem Austausch von Frauen in Führungspositionen sowie einer Diskussion mit Francesca McDonagh, Head of Retail Banking & Wealth Management von HSBC UK, und anderen erfolgreichen weiblichen Führungspersönlichkeiten.

Neben Employer Branding wurde ich stark in den Bereich des Recruitments einbezogen. Hierbei habe ich u. a.  As­sess­ment-Cen­ter für unser Trainee-Programm vorbereitet und geleitet sowie bei Job-Interviews geholfen. Gerade hierbei habe ich gemerkt, dass das Studienfach International Business die richtige Wahl war. In den As­sess­ment-Cen­tern waren stets Menschen vieler verschiedener Kulturen vertreten, darunter Inder, Italiener, Griechen, Deutsche, Polen, Tschechen, Franzosen und natürlich Engländer. Die Unterschiede hat man vor allem in der Gruppendiskussion bemerkt, welche bei Tschechen eher ruhig und strukturiert ablief, bei den Italienern jedoch um einiges temperamentvoller war. Diese kulturellen Unterschiede zu beobachten, war einfach super interessant und hat mich fachlich und persönlich unglaublich bereichert. 

Meine Mentorin im Unternehmens war einfach klasse. Sie hat mich in jeder Hinsicht gefördert und gefordert und mich damit auch oft aus meiner Komfortzone gelockt – mehr hätte man aus einer Praxisphase kaum mitnehmen können!

Birmingham hat seinen Charme

Unter den Briten ist Birmingham leider nicht so beliebt. Ich persönlich finde aber, dass die Stadt ihren Charme hat. Für Shopping-Begeisterte ist der Bullring perfekt – ein riesiges Einkaufszentrum, in dem es wirklich alles gibt! Es ist außerdem wunderschön, an den Kanälen entlangzugehen. Ansonsten bietet Birmingham noch einiges an Architektur – die Bücherei, die Selfridges, der Cube, der Hauptbahnhof New Street und die Mailbox sind wirklich interessante Bauwerke. Direkt am Victoria Square ist außerdem ein riesiges Museum mit freiem Eintritt, dann gibt es noch die back to backs, Wohnungen der Arbeiter aus Zeiten der Industrialisierung.

Birmingham besitzt auch ein kleines Chinese Quarter, in dem man ein bisschen Abwechslung vom Treiben in der Innenstadt finden kann. Die meisten Dinge kann man zu Fuß erreichen, allerdings fährt auch eine Straßenbahn durch die Stadt (habe ich aber nie benutzt). Wenn ihr britische Indie-Musik mögt, solltet ihr auf jeden Fall ins Snobs, ein Club im Stadtzentrum von Birmingham, der mit Eintrittspreisen von 5 Pfund eine Anlaufstelle für Studenten ist. Ansonsten ist die Broad Street eine Straße voller Pubs und Clubs – perfekt zum Feiern.

Typisch England!

Obwohl England geografisch gesehen nicht weit entfernt von Deutschland ist, gibt es trotzdem zahlreiche kulturelle Unterschiede. Positiv empfunden habe ich die allgemeine Arbeitsatmosphäre – es ist einfach angenehmer, die Kollegen beim Vornamen zu nennen und nicht stets über Siezen und Duzen grübeln zu müssen. Auch war meine Arbeitsweise hier etwas anders aufgestellt. Ich habe an meinem ersten Tag eine Liste

von Zielen bekommen, die ich zu erfüllen hatte. Wann oder in welcher Reihenfolge ich diese erledige, war mir jedoch völlig freigestellt. Mich persönlich hat das sehr motiviert, da man stets etwas zu tun hatte, auch wenn man bei einem Projekt auf andere Personen warten musste.

 Ich musste über einige Diskussionen meiner Kollegen schmunzeln, wenn sie beispielsweise über die richtige Art der Tee-Zubereitung (mit oder ohne Milch/Zucker?), über die Aussprache von Wörtern (Scones, Scannes, Scoanes?) oder über verschiedene Akzente (Ihrer Meinung nach der schlimmste: Manchester) sprachen. Wenn ihr England besucht, solltet ihr auf jeden Fall einen Afternoon Tea genießen, Fish und Chips (aus einer Papiertüte!) essen, Porridge probieren und den English Breakfast Tea mit Milch trinken. Auch die Süßigkeiten und Kuchen in England solltet ihr kosten – manche mögen auf den ersten Blick komisch aussehen, ich war aber von allem mehr als begeistert! Ganz typisch sind der Victoria Sponge Cake und Scones mit Marmelade und Clotted Cream.

 Eine weitere typische Sache in England sind vermutlich die Kanäle und deren Narrow Boats. Eine Pub-Nacht ist natürlich auch unbedingt notwendig – typisch für England sind übrigens Cidre und Gin Tonic. Und bevor ich es vergesse: Stellt euch immer an und bedankt/entschuldigt euch! Ich bin häufig mit dem Bus gefahren und man wird tatsächlich komisch angeguckt, wenn man sich beim Verlassen nicht bei dem Busfahrer bedankt. 

Nützliche Tipps: Bus/Bahn, Einkaufen, Konto

Für mein Bus- und Bahnticket komplett um und in Birmingham habe ich mir eine Swift card geholt und 95 Pfund im Monat bezahlt. Holt euch Tickets und Ähnliches immer im Internet, sie können bis zu 30 Pfund günstiger sein! Wenn ihr viel und günstig reisen möchtet, empfehle ich Megabus – sehr einfach und eine Fahrt, beispielsweise von Birmingham nach Leeds, kostet gerade mal 5 Pfund.

Die Lebenshaltungskosten in England sind generell höher als in Deutschland. Ich habe recht sparsam eingekauft und ca. 20 Pfund pro Woche für den Einkauf ausgegeben, hatte allerdings mittags im Unternehmen immer Essen in der Kantine.

England hat einige Supermarktketten. Am günstigsten ist wahrscheinlich Aldi. Die nächste Filiale war aber recht weit weg von mir, deshalb habe ich meist bei Tesco und Sainsburys eingekauft. Manchmal findet man ein paar Schnäppchen im Poundland, lasst euch aber nicht in die Irre führen – manche Dinge, die es dort für ein Pfund gibt, bekommt ihr woanders günstiger. Für Kosmetik, Medizin u. a. gibt es Boots und Superdrugs (ähnlich wie dm und Rossmann). Solltet ihr schnell günstige Dinge für den Haushalt brauchen, ist Argos der richtige Laden.

Wenn ihr euch für euren Aufenthalt ein Bankkonto in England anlegt, empfehle ich euch die Contactless- Funktion zu benutzen – dabei könnt ihr bis 30 Pfund bezahlen, ohne eine PIN einzugeben. Ist vielleicht nicht so sicher, wenn ihr eure Karte verliert, aber es ist unglaublich praktisch. Generell kommt ihr mit einer Karte hier überall weiter, Bargeld habe ich selten gebraucht, allein Busse bestehen oft auf Bargeld. 

Kostenkalkulation
Unterkunft: 600 Pfund kalt 
Verpflegung: ca. 30 Pfund pro Woche 
Bus & Bahn: 95 Pfund pro Monat
Council Taxes: 100 Pfund pro Monat

Fazit

Anfangs war es natürlich etwas schade, „nur“ nach England zu gehen, weil es ja nicht wirklich weit weg ist. Man unterschätzt aber auf jeden Fall den Unterschied zwischen nur einer Woche Urlaub/Sightseeing in einem Land und dem Leben dort. Gerade dadurch, dass man zwischendurch kaum deutsch gesprochen hat und ich viel mit den Einheimischen unternommen habe, lernt man viel mehr über die Kultur! Ich bin auch meinem Partnerunternehmen sehr dankbar, dass sie mich für sechs anstatt nur für drei Monate nach England geschickt haben. So konnte ich mich richtig einleben und es hat sich eben nicht nur wie ein Urlaub angefühlt, sondern meine Arbeit war wichtig und ich konnte richtigen Einfluss auf Dinge nehmen und viele nützliche Kontakte knüpfen.

Während meiner Zeit bin ich viel umhergereist und habe verschiedene Orte Englands gesehen. Am besten gefallen hat mir auf jeden Fall Leeds, das weiter im Norden, in Yorkshire, liegt. Die Stadt an sich ist wunderschön und meiner Meinung nach einfach sehr britisch, mit all den alten Häusern etc. Die Landschaft in Yorkshire ist ebenfalls absolut sehenswert!