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„Marketingassistentin war mein erster Job. Meiner Gastschwester Deutsch beizubringen, war mein zweiter.“

Erfahrungsbericht von Lena Walter

Bachelor-Studiengang International Business, Praktikum April - Mai 2017 in Wakarusa, Indiana/USA, bei Mueller-Electronics
Gefördert über PROMOS

Erstmal ein Visum besorgen

Im Frühjahr 2017 habe ich im Rahmen meines International-Business-Studiums an der FHDW in Paderborn mein Auslandspraktikum bei Mueller-Electronics absolviert. Die Firma hat ihren Sitz in der kleinen Stadt Wakarusa im Staat Indiana in den USA und ist eine Tochterfirma von Müller-Elektronik in Deutschland – mein Partnerunternehmen des dualen Studiums. Somit war schnell klar, dass ich mein Auslandspraktikum in unserer Tochterfirma in den USA absolvieren kann. 

Als die vorgesehene Praxisphase für das Auslandspraktikum immer näher rückte, mussten einige organisatorische Dinge erledigt werden. Zuerst kümmerte ich mich um das Visum. Ob man ein Visum benötigt, ist abhängig davon, wie lange man in der USA bleiben möchte. Wenn man einen Aufenthalt von weniger als 90 Tagen plant, reicht das ESTA-Formular, das man für 14 Dollar online ausfüllen muss. Das Formular muss dann bei der Abreise zusammen mit dem Reisepass und dem Flugticket vorgezeigt werden. Möchte man jedoch länger als 90 Tage in den USA bleiben oder dort Geld verdienen, ist ein Visum nötig. Das ist deutlich teurer und nimmt mehr Zeit in Anspruch, da man sich u. a. bei der Botschaft vorstellen muss. Auch muss man sich genaustens informieren, welches Visum speziell benötigt wird, da es unterschiedliche Arten gibt (b1/b2/j1/...).

Nachdem ich meine Einreisedokumente zusammen hatte, machte ich mir Gedanken über die Kosten des Aufenthaltes. Bei der Finanzierung hat mir PROMOS sehr geholfen – die Bewerbung hat sich definitiv gelohnt. Die Suche nach einer Unterbringung war in meinem Fall sehr einfach, da ich die sechs Wochen bei der Familie des Geschäftsführers wohnen durfte, worüber ich wirklich sehr dankbar war. Für die Flugbuchung ist es sinnvoll, sich früh genug über die Preise zu informieren und nicht direkt den erstbesten Flug zu buchen, sondern die Preise eine Weile im Blick zu haben. 

Auf ins Landleben nach Wakarusa

Als der Tag der Abreise gekommen war und ich nach drei Stunden Verspätung endlich im Flugzeug saß, musste ich kurz vor der Landung noch die US-Zollerklärung ausfüllen, um bei der Einreise keine Probleme bezüglich der Verzollung zu haben. Bevor ich dann tatsächlich einreisen konnte, musste ich nochmals die Dokumente vorzeigen; es wurde ein Foto gemacht sowie ein Fingerabdruck genommen. Außerdem fragte mich der Schalterangestellte zum Grund der Einreise und dem Vorhaben in den USA (selbstverständlich auf Englisch).

Nachdem ich dann von meiner Gastfamilie am Flughafen in Chicago freundlich empfangen wurde, fuhren wir ca. zwei Stunden bis nach Wakarusa. Die ländliche Gegend dort hat mich sofort wie zuhause fühlen lassen. Sehr viele Felder, Grünflächen, Pferde, Bauernhöfe…

Meine Aufgabe war es, den Produktkatalog zu überarbeiten 

Am nächsten Tag begann direkt das Praktikum. Die Firma ist nur wenige Minuten von der Unterkunft entfernt, sodass mich die Tochter der Gastfamilie jeden Morgen auf dem Weg zur Schule mit dem Auto mitnehmen konnte. Der erste Arbeitstag bei Mueller-Electronics war sehr interessant und ungewohnt zugleich. Im Vergleich zum Arbeitsleben in Deutschland konnte ich sofort einige Unterschiede wahrnehmen. Zum einen gibt es viel flexiblere Arbeitszeiten. Zum anderen herrschte in dem Großraumbüro für 10 Angestellte eine sehr belebte Arbeitsatmosphäre; es ging teilweise laut und unterhaltsam zu, dann folgten wieder Phasen absoluter Ruhe. Die sehr offenen Kollegen haben mich sofort ins Team integriert.  

Zu Beginn hat mich der Geschäftsführer, der auch gleichzeitig mein Gastvater war, zu meinem Platz geführt und mir die Räumlichkeiten gezeigt. Nach dem Kennenlernen der Kollegen half mir der IT-Manager mit den technischen Dingen. Außerdem wurde mithilfe einer App eine Verknüpfung zu meinem deutschen Account hergestellt, sodass ich auch auf mein deutsches Postfach zugreifen konnte. 

Anschließend wurden mir meine neuen Tätigkeiten im Bereich Marketing erklärt. Dazu durfte ich an einer Telefonkonferenz mit deutschen und amerikanischen Kollegen teilnehmen, in der es um technische Neuerungen und Updates ging. Es war wirklich sehr interessant und half mir dabei, den Kontext besser zu verstehen. Schließlich war es als Marketingassistentin meine Aufgabe, den Produktkatalog zu überarbeiten und ihn an die neusten Versionen der Produkte anzupassen. Hierbei halfen mir u. a. die Ingenieure, die jeweils für die einzelnen Produkte zuständig sind. Was mir besonders gut gefallen hat waren die lockere Arbeitsatmosphäre und die Kollegen, die alle sehr freundlich waren und mich sofort in ihr Team integriert haben. 

Ich lerne Englisch, sie lernt Deutsch

Da niemand Deutsch sprechen konnte, weder auf der Arbeit noch in meiner Gastfamilie, gab es sowohl Situationen, wo die Kommunikation manchmal etwas schwieriger war, als auch solche, bei denen mir das Studium und meine Erfahrungen sehr geholfen und sogar Dinge erleichtert haben. Jeden einzelnen Tag habe ich etwas Neues dazu gelernt; seien es englische Redewendungen oder Erkenntnisse beim Benutzen der einzelnen Marketingprogramme. Eine der beiden Töchter meiner Gastfamilie hat sogar angefangen, Deutsch zu lernen, sodass wir zum Ende hin schon ein wenig deutsch kommunizieren konnten. Meiner Gastschwester Deutsch beizubringen, war mein zweiter Job nach der Arbeit.

Chicago, Lake Michigan, Cedar Point …

In Bezug auf meine Freizeit lässt sich sagen, dass es unter der Woche eher schwierig war, Sehenswürdigkeiten oder größere Städte zu besichtigen, da diese mindestens eine Stunde entfernt sind und es nach der Arbeit einfach zu spät dafür war. Allerdings gab es keinen Abend, an dem ich nichts zu tun hatte. Entweder unternahm ich kleinere Dinge mit den Töchtern wie z. B. schwimmen gehen, Gitarre lernen, zur Eisdiele spazieren, oder aber ich traf mich mit einer Arbeitskollegin, um z. B. eine Fahrradtour zu machen.

Die Wochenenden waren immer sehr vollgepackt. Ich fuhr mit meiner Gastfamilie u. a. nach Chicago, zum Lake Michigan, in den berühmten Freizeitpark Cedar Point und zu einem Baseballspiel. Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, eine Kreditkarte zu besitzen, da dies die gängige Zahlungsmethode ist, egal welcher Betrag bezahlt werden muss. In nur wenigen Fällen wird Cash benötigt (z. B. in einer speziellen Eisdiele). Wenn ihr Lebensmittel einkaufen wollt, werdet ihr schnell feststellen, dass es ein wenig teurer ist als in Deutschland. Hier empfehle ich euch, einen Aldi aufzusuchen, um eine ähnliche Produktauswahl und bessere Preise zu haben.

Solche Chancen wahrnehmen!

Zusammenfassend lässt sich nach diesen sechs Wochen sagen, dass mir das Auslandspraktikum in vieler Hinsicht sehr geholfen und mir tolle Erfahrungen verschafft hat. Auch im Hinblick auf die englische Sprache kann ich nur jedem empfehlen, solche Chancen wahrzunehmen. Denn nur so wird man der Sprache mächtig und fühlt sich sicher beim Kommunizieren. Gerade bei unserem Studiengang International Business ist es meiner Meinung nach von großer Bedeutung, sich mit Geschäftspartnern fließend auf Englisch unterhalten zu können. Ich würde diese Chance tatsächlich immer wieder wahrnehmen und mich sehr freuen, wenn ich nochmal die Möglichkeit bekomme, eine Geschäftsreise in unsere Tochterfirma in die United States zu machen.