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„In der hora pica (Rush Hour) können 10 Kilometer zwei Stunden dauern.“

Erfahrungsbericht von Sarah Köring

Bachelor-Studiengang International Business, Praktikum Januar - Juni 2010 in Mexiko-Stadt bei Miele

Erfahrungsbericht Sarah Köring während des dualen Studiums International Business IBS

Nach zwei Wochen war der Praktikumsplatz sicher

Nachdem ich mich für mein Zielland entschieden hatte, hieß es, sich auf die Suche nach einem Unternehmen zu machen, dass mir die Chance gibt, Praxiserfahrung zu sammeln. Nachdem ich einige Zeit im Internet gesucht und eine erste Auswahl getroffen hatte, habe ich mich einen Abend hingesetzt und voller Nervosität bei Miele in Mexiko angerufen. Der erste Kontakt war hergestellt und ich hatte nun eine Adresse, an die ich meine Unterlagen schicken konnte. Zwei Wochen und ein Telefoninterview später hatte ich meinen Praktikumsplatz sicher und ich machte mich an die weitere Planung. Schließlich heißt ein Auslandspraktikum nicht nur einen Arbeitsplatz dort zu haben. Man muss sich um Visum, Versicherung und Unterkunft kümmern und sich gut über das Land informieren, welches man sich zur Heimat auf Zeit macht.

Der nächste Schritt war mein Visum. Welche Unterlagen eingereicht werden müssen, wie hoch die Kosten liegen und welchen zeitlichen Rahmen man einplanen muss, bis das Visum ausgestellt ist, lässt sich auf der Homepage der mexikanischen Botschaft in Frankfurt finden. Sobald die Bestätigung im Mail-Posteingang auftaucht, kann man sich auf den Weg nach Frankfurt machen, um sein Visum persönlich abzuholen.

Bei der Suche einer passenden Versicherung ist es gut, die Ergebnisse der Stiftung Warentest im Bezug auf Reise- und Auslandskrankenversicherung zu prüfen und dort nach einer geeigneten Versicherung zu suchen. Versicherten bei der Techniker Krankenkasse wird ein preiswerter Tarif der Envivas-Reiseversicherungen angeboten, welcher einen recht kompletten Versicherungsschutz aufweist.

Für die Wohnungssuche gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann mit der Suche schon vor der Abreise beginnen. Auf der Homepage www.compartodepa.com.mx werden WG-Zimmer in ganz Mexiko angeboten. Nachdem ein kurzes Suchprofil erstellt wurde, kann man sich dort auf die Profile der Mieter stürzen und durch die zahlreichen Angebote stöbern. Wer sich nicht auf Fotos und Beschreibung verlassen möchte, kann entweder vor Ort in Zeitungen suchen oder auch bei der Vielzahl der Universitäten nach einer Liste von freien Unterkünften in WGs und Gastfamilien fragen.

Sicherheit ist ein großer Faktor bei der Wahl der Unterkunft auf Zeit. Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch in Mexiko-City, weshalb es ratsam ist, ein bisschen mehr Miete zu bezahlen, dafür aber recht sicher zu wohnen. Die Zonen Polanco, Zona Rosa, Condesa, Roma und Del Valle sind mit die besten und sichersten Zonen. Nach der Sicherheit sollte die Entfernung zur Arbeit noch in Betracht gezogen werden. Durch die Größe der Stadt und die Anzahl der Menschen, die in Mexiko Stadt leben, kommt es tagtäglich zu kilometerlangen Staus. Zur Rush Hour, oder auch „hora pica“ genannt, kann man schnell mal für eine Strecke von 10 Kilometer zwei Stunden brauchen.

Als Transportmittel im Allgemeinen gibt es Metro, Metrobus, Microbus, Combis und Taxen. Die Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel liegen zwischen 3 und 7 Pesos pro Strecke. Taxen sollten nur von sogenannten „Sitios“ genommen werden und nicht von der Straße. Tipp: Den Preis vorher aushandeln oder den Taxifahrer bitten, das Taxameter anzustellen.

Einwanderungsbehörde - ein Muss!

Ein lokales Handy bekommt man in nahezu jedem Kiosk oder in den „Centros Commerciales“ der Stadt. Den besten Service bietet Telcel an. Das Kit „Amigo Telcel“ ist ein Prepaid-Kit, welches genauso funktioniert wie das System in Deutschland. Mexiko ist in verschiedene Zonen aufgeteilt. Dies bedeutet, dass bei Reisen in andere Gebiete außerhalb Mexico-Citys höhere Kosten für SMS und Telefonate anfallen und auch eingehende Anrufe Kosten verursachen.

Es ist sinnvoll, sich ein Konto für den Aufenthalt bei der Deutschen Bank oder der Citibank anzulegen, da beide Partnerbanken in Mexiko haben, bei denen man mit der normalen EC-Karte kostenlos Geld abheben kann.

Nach der Ankunft in Mexiko muss man sich innerhalb der ersten 4 Wochen bei der Einwanderungsbehörde in Mexiko-City melden. Es ist von Vorteil, dort früh morgens hinzugehen, da es sonst zu ziemlich langen Schlangen kommen kann. Meldet man sich nicht bei der Behörde, kann es bei der Ausreise zu einer Strafe bis zu 1.000 Pesos (ca. 60 €) kommen.

Die Deutsche Botschaft in Mexiko bietet einen Registrierungsservice für die Dauer des Aufenthaltes an. Dies hat den Vorteil, dass man direkt per Mail über Reisewarnungen in bestimmte Regionen informiert wird und auch bei anderen Veranstaltungen oder Terminen auf dem Laufenden bleibt.

Der Alltag bei Miele 

Mein Arbeitsalltag war ähnlich wie in Deutschland, allerdings gibt es doch ein paar Unterschiede. Reguläre Arbeitszeit ist von 9.00 – 19.00 Uhr. Alle Mitarbeiter haben 2 Stunden Mittagspause, in denen sie entweder in Restaurants in der Nähe essen gehen, Essen bestellen oder die Kantine nutzen. Arbeitsrechtliche Bestimmungen existieren nur wenige und der Lohn eines mexikanischen Angestellten liegt unterhalb des deutschen Mindestlohns. Allerdings hat der Umgang zwischen den Mitarbeitern einen hohen Stellenwert bei den Mexikanern, weshalb man auch mal etwas zusammen nach Feierabend unternimmt.

Mein Praktikum habe ich in der Marketingabteilung von Miele absolviert. Die Aufgaben gingen von alltäglichen Dingen, wie Annahme von Telefongesprächen und Meetings, über Korrekturlesen von PR-Texten, Teilnahme an Veranstaltungen und Präsentationen bis hin zur Ausarbeitung einer ABC-Analyse der einzelnen Händler. Der Vorteil eines deutschen Unternehmens ist unermesslich im Hinblick auf deutsche Kollegen, die bei sprachlichen Stolpersteinen gerne helfen. Allerdings waren meine mexikanischen Kollegen auch immer äußerst hilfsbereit und verständnisvoll und haben mich bei allem unterstützt. Die Tatsache, dass man ihre Sprache lernt und ihr Land kennenlernen will, erweckt in jedem Mexikaner einen kleinen Reiseführer mit sehr hilfreichen Tipps.

Sightseeing in Mexiko-City

Mexiko ist nicht Europa, weshalb man vor allem im Alltag einige Sicherheitshinweise beachten sollte. Dunkle Straßen sollte man meiden und auch Gegenden, die einem unsicher erscheinen, ist es besser, nicht zu viel Zeit zu verbringen. Sobald die Dämmerung einbricht, ist ein Taxi zu bevorzugen und dies am besten nicht alleine – besonders als Frau nicht. Wenn man diese Hinweise beachtet, kann man wunderbar in Mexiko-City leben und die Stadt täglich neu erkunden.

Die Größe der Stadt lässt nie Langweile aufkommen und die Vielzahl der Sehenswürdigkeiten ermöglicht täglich neue Erkundungstouren. Vom Zócalo über Bellas Artes bis hin zum Bosque de Chapultepec mit seinem prachtvollen Schloss ... Gegenüber geht es ins Anthropologie-Museum mit dem berühmten Azteken-Kalender. Im Norden gibt es das „Manhattan“ von Mexiko-City zu sehen, und im Süden kann man gemütlich mit Freunden in Xochimilco ausspannen und die mexikanische Küche genießen oder sich eine Partie der „Pumas“ im Stadion der Ciudad Universitaria anschauen.

An jeder Ecke gibt es einen kleinen Kiosk, Supermarkt oder ein paar Blocks weiter ein Walmart Supercenter, das keine Wünsche offen lässt. Das Positive der Kioske ist, dass die Preise kaum oder gar keine Differenzen zu den Preisen im Supermarkt aufweisen. Für richtiges Shopping eignet sich entweder ein Centro Commercial, in dem alle gängigen Marken vertreten sind, oder auch ein Markt. Es gibt jede Menge Märkte für alle möglichen Produkte. Eine große Anzahl verschiedenster Märkte lässt sich im Zentrum finden.

Die vielfältige mexikanische Küche kann man ebenfalls wunderbar in der Künstler-Kolonie Coyoacán erkunden. Dort gibt es eine große Anzahl kleiner Restaurants, Tacostände, Churros und vieles mehr. Beim Probieren nicht vergessen, dass die Mexikaner es gerne scharf mögen! ;-) Das Nachtleben Mexikos findet hauptsächlich in der Condesa statt. Die Zone besteht aus vielen kleinen Bars, Restaurants und Diskos, welche von Donnerstag bis Samstag gut besucht sind.

Das „Mexikanisch“ ist vor allem für Anfänger gut verständlich, da die Mexikaner im Vergleich zu den Spaniern deutlich langsamer und deutlicher sprechen. Allerdings gibt es eine Vielzahl von typisch mexikanischen Ausdrücken und Redewendungen, welche man nicht immer auf Anhieb versteht. Allerdings gehen diese auch recht schnell ins eigene Vokabular über.

Zum Schluss

Ein Land, das einen derart großen Unterschied zwischen Arm und Reich aufweist, wird durch die hohe Kriminalitätsrate zusätzlich belastet. Mexiko ist ein beeindruckendes Land mit einer faszinierenden Kultur und einer sehr aufgeschlossenen und gastfreundlichen Bevölkerung. Es ist faszinierend, wie gerne und viel sie gibt, obwohl viele an der Armutsgrenze leben. Ich habe eine wunderbare Zeit in Mexiko verbracht, auch wenn es ein paar schwierige Situationen gab.

Aber mein eindeutiges Fazit: Jedem, der Auslandserfahrung sammeln will, kann ich Mexiko empfehlen und ich kann ihm versprechen, dass er eine ereignisreiche und prägende Zeit dort erleben wird. Und falls jetzt noch jemand Fragen hat, kann er sich gerne mit mir in Verbindung setzen unter sarah.koering@gmx.de.

Adiós!