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„Die allergrößte Herausforderung war die Kommunikation!“

Erfahrungsbericht von Irene Eberlein

Bachelor-Studiengang International Business, Praktikum Juli - September 2012 auf Fuerteventura in einem Hotel der Kette Sol Meliá
Gefördert über Erasmus

Erfahrungsbericht Irene Eberlein während des dualen Studiums International Business IBS

International Office half, mich nach Fuerteventura zu bringen

Bei der Vorbereitung meiner Praxisphase im Ausland hat mir das International Office der FHDW in Paderborn geholfen. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch, bei dem klargestellt wurde, dass ich in einem der vielen Hotels der Kette Sol Meliá mein Auslandspraktikum absolvieren würde, habe ich den Wunsch geäußert, das Praktikum auf Fuerteventura zu machen. Dadurch, dass ich auf dieser Insel schon meinen Urlaub verbracht hatte, hatte ich eine grobe Vorstellung davon, wie mein Leben dort aussehen würde. Es war aber eine Herausforderung, in den in Frage kommenden Hotels einen Platz zu finden, insbesondere, weil vor mir noch nie jemand der FHDW auf Fuerteventura ein Praktikum gemacht hatte. Es mussten also neue Kontakte hergestellt werden.  

Die von mir vorbereiteten Bewerbungsunterlagen – Motivationsschreiben, Lebenslauf und Zeugniskopien – wurden dann an die Zentrale der Hotelkette Sol Meliá International Hotels & Resorts in Palma de Mallorca geschickt. Ich wollte unbedingt in den Bereich der Administration, weil ich nicht nur meine Sprachkenntnisse verbessern, sondern auch das gelernte Wissen in der Praxis erweitern wollte. Dafür mussten meine Sprachkenntnisse geprüft werden, weil in der Administration nur Spanisch gesprochen wird, d. h. wenn ich Kommunikationsschwierigkeiten bekäme, hätte ich niemanden, der mir den Sachverhalt in irgendeiner anderen Sprache erklären könnte. Kurz darauf kam auch schon das telefonische Bewerbungsgespräch, in dem meine Spanischkenntnisse unter Beweis gestellt und als „gut“ bewertet wurden. Anschließend habe ich mich mit Hilfe des International Office um das Auslandsstipendium für diese drei Monate beworben. Und nach Abschluss der notwendigen Versicherungen für den Auslandsaufenthalt ging es auch schon los.

So flog ich zwei Tage vor dem Praktikumsbeginn nach Fuerteventura. Dort wurde ich freundlich empfangen und in mein Zimmer gebracht, in dem auch zwei weitere Mädchen aus Bilbao wohnen sollten, die ebenfalls an diesem Abend angekommen sind. Ich habe Unterkunft und Verpflegung kostenlos gestellt bekommen, jedoch bekam ich für die Arbeit keine Vergütung. Nach dem aufregenden EM‐Finale, das wir in einer Strandbar verfolgt hatten, bei dem Spanien Europameister wurde und die ganze Insel vor Freude bebte, war das erste Wochenende auch schon rum.

Viele Aufgaben in der Hotel-Buchhaltung – das schwerste aber war die Kommunikation

Am ersten Arbeitstag habe ich erst einmal alle Mitarbeiter kennengelernt und mir wurden meine Arbeitsfelder über die gesamte Praktikumszeit dargestellt: Kontrolle aller Umsätze des Hotels,  Überprüfung der Lieferscheine, Kontrolle der Zahlungseingänge und Begleichung der Forderungen,  Kontrolle der Warenein‐ und ‐ausgänge im Lager … und jeweils anschließende Verbuchung im SAP‐System, Dazu kam Neubestellungen aufgeben, Rechnungserstellung im Restaurant, Analyse der jeweiligen Konten, Bilanzierung der Erträge und Aufwendungen und anschließende Prognose.

Sofort merkte ich, welche Herausforderungen mich dort erwarteten: die allergrößte war die Kommunikation! Dadurch, dass die Insel von unterschiedlichen kulturellen Gruppen bewohnt wird, sprechen die Leute unterschiedliche Dialekte. Die Spanier vom Festland meist Castellano oder Catalán, die Kolumbianer Latino, und die Fuerteventuraner, „majoreros“ genannt, haben sogar eigene Wörter und Begriffe, die sich von den anderen unterscheiden. Zudem sprechen sie auch nicht alles aus, sondern verschlucken die Hälfte eines Wortes. Ja, und da war ich, die nichts von all dem perfekt gesprochen hat und sich mit allen gleichzeitig verständigen musste!  

Meine ersten Aufgaben waren, die Rechnungen, die die Rezeption bei Ankunft der Gäste erstellt, an die jeweiligen Reiseveranstalter zu verschicken, zu kontrollieren und zu archivieren. In der Kreditabteilung wurden die Zahlungseingänge kontrolliert, die ich danach auch erledigen konnte. So nach und nach bekam ich immer mehr Aufgaben, die dann auch mit mehr Verantwortung verbunden waren. In dieser Zeit habe ich unterschiedliche Computerprogramme kennengelernt: SAP, SIHot, das eine Datenbank darstellt, und TouchExpress, das für die Kassenführung und Verbuchung der Umsätze des Restaurants und der jeweiligen Bars dient. Mit diesen Programmen habe ich vorher noch nie gearbeitet und musste es lernen, mit diesen direkt in spanischer Sprache umzugehen. Es dauerte nicht lang und schon konnte ich die Umsätze, Lieferscheine, Warenein‐ und ‐ausgänge im Lager, Zahlungseingänge und sonstige Geschäftsvorfälle verbuchen. Mein Spanisch verbesserte sich auch von Tag zu Tag. Die Leute sind sehr humorvoll und haben ständig Späße gemacht, die ich am Anfang nur teilweise verstehen konnte. Jedoch änderte sich das sehr schnell und so konnte ich selbst Witze machen und auch schlagfertig antworten, wodurch ich mich immer mehr in das Team integrierte.

Gewohnt wie eine Königin 

Anders als ich hatten meine Mitbewohnerinnen ihre Praktikumsplätze an der Rezeption, das heißt wir waren drei Mädels mit komplett unterschiedlichen Arbeitszeiten in einem Zimmer – nicht so positiv, weil wir zu unterschiedlichen Zeiten ausruhen wollten. Glücklicherweise konnten wir das Problem nach zwei Wochen klären, indem ich mein eigenes Zimmer bekam. Meine Vorgesetzte hatte sich dafür eingesetzt, dass ich ein Einzelzimmer bekomme und so wurde auch dieser Wunsch erfüllt. „Como una reina“ (wie eine Königin) hatte ich ein großes Bett und ein schönes Badezimmer für mich allein. Was für mich in diesem Moment wirklich Luxus war!  

Ich konnte sehr schnell Freundschaften schließen und die Kultur etwas näher kennenlernen. So wurde ich zu Familienfesten, z. B. zur Taufe, eingeladen, bei denen ich wie ein Teil dieser Familie war und wir zusammen gekocht haben. Es gab auch viele andere Feste. So wurden u. a. zwei riesengroße Partyzelte am Strand aufgebaut, in denen Tag und Nacht gefeiert wurde. Diese Party, „La Carpa“ genannt, findet jedes Jahr statt und dauert ganze drei Wochen. Es kommen Leute von überallher, nur um diese Carpa mitzuerleben. Dieses Jahr fand der Worldcup in Windsurfing direkt vor Ort statt, was natürlich für mich eine Sensation obendrauf war! Von meinem Zimmer aus sah ich die Surfer auf den Wellen rumtoben. Und da ich schon um16.00 Uhr Feierabend hatte, konnte ich schnell zum Strand gehen und live dabei sein!

Abschied von der „familia canaria“

Eine ganz besondere Freude war es für mich zu erleben, wie lieb mich die Menschen gewonnen haben und wie traurig sie waren, dass ich wieder zurück nach Deutschland musste. Dafür habe ich jetzt tolle neue Freunde auf Fuerteventura, meine „familia canaria“, die ich gerne wieder besuchen fahre und die mich eingeladen haben, meine Ferien bei ihnen zu verbringen! Im Großen und Ganzen war es eine sehr schöne, lehrreiche und aufregende Zeit für mich und ich danke jedem, der mir dabei geholfen hat, diese Erfahrungen sammeln zu können!