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„Man ist eigentlich immer direkt am Fjord oder Meer!“

Erfahrungsbericht von Timo Frömming

Bachelor-Studiengang International Business, Praktikum April - Juni 2018 in Hadsund/Dänemark bei SSI SCHÄFER A/S
Gefördert über Erasmus+

Vor der Abfahrt

International-Business-Studenten an der FHDW sind dazu verpflichtet, eine gewisse Zeit während des Studiums im Ausland zu arbeiten. Hierbei ist es zunächst nicht relevant, ob dies innerhalb Europas ist oder nicht. Bereits vor dem Studium habe ich glücklicherweise SSI SCHÄFER als festes Partnerunternehmen während meines gesamten Studiums gewinnen können. Durch den Studienschwerpunkt und auch durch mein Interesse an der Arbeit in einem internationalen Unternehmen ist SSI SCHÄFER das perfekte Unternehmen für mich.

Die Intralogistik ist für mich außerdem eine hoch interessante Branche, vor allem aufgrund ihrer Dynamik. Da ich nicht der erste Student bei meinem Unternehmen dieser Art bin, war das Prozedere bereits im Unternehmen bekannt. Deswegen bestand die Frage lediglich darin, wo ich im Ausland arbeiten möchte, da SSI SCHÄFER weltweit in über 70 Ländern tätig ist. Für mich stand dabei aber früh fest, dass ich nach Skandinavien gehen möchte, weil mich die dortige Lebens- und Arbeitsmentalität fasziniert. Da in Hadsund das Hauptbüro und somit auch die Verwaltung von SSI SCHÄFER für die skandinavischen Länder sitzt, wurde dann gemeinsam entschieden, dass ich nach Dänemark gehe.

Die anschließende Organisation fand intern im Unternehmen statt. Dementsprechend war die Unterstützung des International Office an dieser Stelle für mich persönlich nicht notwendig, dafür aber bei der Bewerbung für das Erasmus+ Programm enorm groß und absolut hilfreich. Die Prozesse und die auch durchaus aufwendige Organisation wurden mir so einfach wie möglich gemacht. Es blieben keine Fragen offen, was den Bewerbungsprozess, der dann glücklicherweise auch erfolgreich war, sehr beschleunigt hat. An dieser Stelle möchte ich mich explizit bei Frau Cornelia Hörster-Friedrich und Frau Jessica Schwabe bedanken, die einen exzellenten Job machen. Sie wiesen mich auch auf die Versicherung des DAAD hin, der alle notwendigen Versicherungen für den Auslandsaufenthalt abdeckt, die ich dann schlussendlich auch online abschließen konnte. Da Dänemark Mitglied der Europäischen Union ist, habe ich dann auch kein Visum benötigt und die Organisation war frühzeitig abgeschlossen. So konnte ich mich in aller Ruhe auf die Abreise vorbereiten. 

Unterkunft

Den Weg nach Hadsund im Norden von Dänemark (von Köln ca. 750 km) bin ich mit dem Auto gefahren. Da ich das Haus eines Kollegen dort mieten konnte, da er aktuell in Lettland lebt und arbeitet, war die Miete absolut fair und mit deutschen Verhältnissen zu vergleichen. Da ich zuerst aber über Airbnb nach Angeboten gesucht habe, kann ich sagen, dass die Mietpreise tendenziell etwas höher sind als in Deutschland. Somit war die Lösung für mich optimal, auch weil ich kaum organisatorischen Aufwand hatte.

Die ersten Tage

Die ersten Tage in Dänemark waren für mich frei, da ich an Ostern angereist bin (Feiertage wie in Deutschland). So konnte ich mich zunächst zwei Tage an die Umgebung gewöhnen. Als es dann losging, stand zunächst das Übliche als „der Neue“ in der Firma an: Frühstück mit den Kollegen aus meiner neuen Abteilung mit integrierter Vorstellungsrunde sowie Vorstellung bei den restlichen Kollegen im Unternehmen (bei gut 100 Mitarbeitern in Dänemark kann das sehr anstrengend werden). Anschließend ein ausführliches Gespräch mit meinem Chef für die drei Monate über Erwartungen, Aufgaben und allgemeine Dinge.

Im Anschluss wurde ich direkt in das Team eingearbeitet. Und da muss ich sagen, dass ich mich von Anfang an dazugehörig gefühlt habe. Das Team hat mich super aufgenommen und wir sind die komplette Zeit ohne Krisen, dafür mit viel Spaß ausgekommen. Auch die Sprache stellte sich kein Problem dar, weil die meisten Dänen ein extrem gutes Englisch sprechen. (Mein Dänisch beschränkte sich auf exakt ein Wort: „hej“ – was „Hallo“ bedeutet.)

Meine Aufgaben im Unternehmen

Gearbeitet habe ich in der Finanzabteilung (deutlich spannender als man zuerst denkt). Meine täglichen Aufgaben bestanden darin, Rechnungen zu verbuchen, Zahlungsaufträge vorzubereiten, gebuchte Zahlungen abzuschließen... Darüber hinaus gab es für mich dann aber auch viele einzelne Projekte (mit Bezug zur Finanzwelt bei SSI SCHÄFER), die ich in Eigenverantwortung durchführen durfte. Diese waren nicht nur sehr vielfältig, sondern auch höchst spannend, da ich nach drei Semestern FHDW einige Vorgänge zwar aus Deutschland in der Theorie kannte, jetzt aber diese Abläufe in anderen Ländern kennenlernte und die entsprechenden Unterschiede gesehen habe.

Freizeit: Mit viel Meer

Neben der Arbeit stand für mich fest, dass ich so viele Erfahrungen mitnehmen wollte, wie möglich. Hadsund an sich ist mit seinen rund 5.000 Einwohnern zwar sehenswert, bietet aber kein Rahmenprogramm für drei Monate. Die Kommune liegt ziemlich mittig (je 60 km) zwischen den Städten Aalborg und Aarhus, die zweitgrößte Stadt in Dänemark. Da in beiden Städten viele Studenten leben, ist das Leben dort auch deutlich aktiver.

Außerdem hat man es in Dänemark nie weit zum Meer. Ich brauchte nur 20 Minuten an die Ostküste – dementsprechend oft war ich auch da (das Wetter war zum Glück sehr gut). Zur Westküste, die etwas schöner von der Landschaft ist, fuhr ich dann auch nur 1,5 Stunden („nur“ bezieht sich hier auf die 4 Stunden, die ich von Deutschland aus brauche).

Meine Freizeitgestaltung sah sehr unterschiedlich aus. Städte besuchen, Kajak fahren auf dem Fjord, Besuch von Fußballspielen der Superliga, unterschiedliche Feste mit Kollegen feiern, Boot fahren etc. Etwas konstanter waren dann die Besuche im Fitnessstudio (man bekommt auch Ausnahmeverträge, wenn man nett fragt und die Situation erklärt) und der Fußball. Über einen Kollegen habe ich den Kontakt zu einem örtlichen Verein bekommen, für den ich dann auch Spiele bestreiten durfte. 

Das Leben in Dänemark ist teurer, aber man kommt hin

Generell ist ein Auto ratsam in Dänemark, vor allem auf dem Land, da dort kaum öffentliche Verkehrsmittel vorhanden sind. In den Städten sieht das aber komplett anders aus. Sehr guter Nahverkehr, der kostenlos ist.

Ebenso wie die Universitäten. Man zahlt in Dänemark weder für den Bachelor noch den Master Studiengebühren. Dementsprechend höher sind dann aber auch die Steuern. Das macht das alltägliche Leben in Dänemark auch teurer. Aber so extrem wie es in Deutschland teilweise wahrgenommen wird, ist es dann doch nicht, wenn man nicht immer sofort die erstbesten Produkte kauft. Es bleibt teurer, stellt man es aber geschickt an, hält es sich in Grenzen. So kann man, wenn man wie ich alleine wohnt, in einer Woche mit 700 bis 900 Dänischen Kronen auskommen (ca. 100 bis 120 Euro).  

Ein Bankkonto im Ausland habe ich nicht eröffnet, da ich meine Bankkarte genauso wie in Deutschland nutzen konnte. Generell braucht man in Dänemark kein Bargeld. Überall kann man alles (ohne Mindestsumme) problemlos mit Karte bezahlen (gilt für MasterCard). Hat man eine Maestro-Karte, ist man geringfügig eingeschränkter, was das Bezahlen angeht. Sollte man mal nicht mit Karte zahlen können, ist Bargeldzahlung aber auch ohne Weiteres möglich.


Fazit

Mich haben das Land und die Menschen absolut begeistert und ich konnte meine Zeit dort wirklich genießen. Ich hatte extremes Glück mit dem Wetter (zwei Monate um die 25 - 30 Grad und Sonnenschein), was natürlich viele unterschiedliche Aktivitäten möglich gemacht hat. Dänemark ist ein sehr schönes Land mit einer sehr entspannten Lebensweise, vor allem, wenn man die Natur und das Wasser mag. Man ist eigentlich immer direkt am Fjord oder Meer.

Die Dänen sind auch ein sehr offenes und gastfreundliches Volk. Wenn man offen auf die Menschen zugeht, kann man sich immer unterhalten und neue Menschen kennenlernen. Für mich war es eine Riesenerfahrung, bei der ich viel für mich persönlich mit zurück nach Deutschland nehme. Jedem, der überlegt, nach Dänemark zu gehen, sei es, um zu arbeiten oder nur, um Urlaub zu machen, kann ich ausdrücklich dazu raten.