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„Komfortzone verlassen und Hands-on-Experience“

Erfahrungsbericht von Patrick Sprenger

Bachelor-Studiengang International Business, Praktikum März – Juni 2019 in Milton Keynes/Großbritannien bei Broadways Stampings
Gefördert über Erasmus+

Während des dreijährigen Bachelor-Studiums International Business an der FHDW ist es vorgesehen, mindestens eine Praxisphase im Ausland zu verbringen. Um meine Englischkenntnisse in dieser Zeit zu festigen und zu stärken, war für mich schnell klar, dass nur die Vereinigten Staaten oder Großbritannien in Frage kommen.

Da mein Partnerunternehmen nur über einen Standort in Deutschland verfügt und ausschließlich dort produziert, wurde mir nahegelegt, das Auslandspraktikum in einem anderen Unternehmen zu absolvieren, um so auch neue Erfahrungen in anderen Branchen sammeln zu können. Meine Wahl fiel schließlich auf das Unternehmen Broadways Stampings in Milton Keynes, Großbritannien.      

Vor meiner Abreise

Das International Office der FHDW war bei der Organisation vor meiner Abreise eine große Unterstützung und hat mehrfach auf die Möglichkeit eines Erasmus+ Stipendiums hingewiesen. Erfreulicherweise war meine Bewerbung schlussendlich auch erfolgreich. Neben einer entsprechenden Auslandskrankenversicherung ist auch eine Unfall- und Haftpflichtversicherung für den vorgesehenen Zeitraum ratsam. Empfehlenswert ist hier die Gruppenversicherung des DAAD. Die Abwicklung ist einfach und unkompliziert und für 32 € im Monat ist man definitiv ausreichend versichert.

Außerdem ist es durchaus sinnvoll, vorab ein britisches Bankkonto zu eröffnen, um zusätzliche Gebühren durch den Währungswechsel oder durch Bargeldabhebungen am Geldautomaten zu vermeiden. Ich habe mich für ein Girokonto des mobilen Anbieters Monese entschieden. Monese liefert dir eine komplett funktionsfähige UK-Kontonummer samt Bankleitzahl und eine kontaktlose MasterCard Debit-Karte. Anders als bei den meisten Anbietern ist kein örtlicher Adressnachweis notwendig. Speziell für Studenten sind die Leistungen für die ersten 12 Monate kostenlos und jederzeit kündbar.

Bei der Suche nach einer entsprechenden Wohnung war es zunächst gar nicht so einfach, etwas Geeignetes zu finden und im Budgetrahmen zu bleiben. Die meisten Wohnungen werden für einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten vermietet. Letzten Endes bin ich bei Airbnb fündig geworden und habe ein Zimmer mit Küche und geteiltem Bad gebucht. Ein großer Vorteil dieser Unterkunft war die Nähe zu meinem Arbeitsplatz. Innerhalb weniger Minuten war dieser mit dem Fahrrad zu erreichen, sodass zusätzliche Aufwendungen für den Nahverkehr vermieden werden konnten.

Bei Broadways Stampings alles durchlaufen

Das Unternehmen Broadways Stampings ist ein mittelständisches Unternehmen im Herzen von England und spezialisiert auf die Fertigung von Pressteilen, Blecharbeiten, Schweißbaugruppen und Pulverbeschichtungen für die Automobilindustrie. Seit der Übernahme des Unternehmens Dyson Die Casting im Juni 2016 gehören auch Aluminium- und Zinkdruckguss zu den Leistungen der Unternehmensgruppe. Zum Kundenstamm zählen neben den Automobilherstellern Aston Martin und McLaren auch Automobilzulieferer wie Benteler, Gestamp oder Brose.

Patrick Sprenger in der Fertigung bei Boadways Stampings

Schon zu Beginn meines Praktikums wurde ich sehr freundlich empfangen und direkt in das Tagesgeschehen eingebunden. Im Laufe meiner Zeit bei Broadways habe ich nahezu sämtliche Abteilungen des Unternehmens durchlaufen. Vom Verkauf über Design, Entwicklung, Planung und Einkauf bis hin zu den unterschiedlichen Bereichen der Produktion, wie beispielsweise das Presswerk und die Gießerei, habe ich das Unternehmen sehr gut kennengelernt und einen guten Überblick erhalten. Ganz nach dem Motto „Hands-on“ wurde das Hemd auch mal gegen den Blaumann getauscht und aktiv in der Fertigung mitgewirkt, um die Prozesse, aber auch die Produkte besser zu verstehen.

Im Rahmen meiner Tätigkeiten im Einkauf und Verkauf hatte ich die Möglichkeit, an diversen Meetings teilzunehmen und verschiedenen Lieferanten und Kunden zu begegnen. So erhielt ich Gelegenheit, Unterschiede zwischen der deutschen und der britischen Kultur im Business zu erleben, zu verstehen und zu schätzen. Grundsätzlich kann ich sagen, dass wir uns in vielerlei Hinsicht sehr, sehr ähnlich sind und die Unterschiede keinesfalls so groß sind, wie ich sie erwartet habe.

Freizeitunternehmungen am Wochenende

Wie ich oft während meines Aufenthalts gehört habe, befindet sich Milton Keynes in „the middle of England and in the middle of nowhere“, was vermutlich daran liegt, dass die Stadt nicht die bekannteste Adresse in Europa und der Welt ist. Nichtsdestotrotz hat Milton Keynes einiges zu bieten. Neben einer Vielzahl von Park- und Seeanlagen, die sich perfekt für sportliche Aktivitäten eignen, verfügt die Stadt über umfangreiche Freizeitangebote. Die Shopping Mall mit dem Namen Centre:MK galt einige Jahre als das größte neumoderne Einkaufszentrum in Großbritannien und bietet unzählige Möglichkeiten zum Shoppen, Essen und Trinken. Zudem ist Milton Keynes als Hauptsitz einiger bedeutender Unternehmen bekannt, wie zum Beispiel des Formel 1 Teams Red Bull Racing oder des weltweit führenden Herstellers von Musikverstärkern, Marshall.

Ein großer Pluspunkt für Milton Keynes ist die hervorragende Anbindung an weitere Großstädte in der Umgebung. Geografisch gesehen befindet sich die Stadt ziemlich mittig zwischen London, Birmingham, Oxford und Cambridge. Innerhalb von 35 Minuten ist London mit der Bahn zu erreichen. Hier lohnt sich ein Blick auf Trainline, um vorab nach Fahrkarten zu suchen, da die Preise nahezu täglich variieren.

Lebensunterhaltungskosten

Grundsätzlich sind die Lebensunterhaltskosten in Großbritannien etwas höher als in Deutschland. Eine grobe monatliche Kostenkalkulation basierend auf meinen Erfahrungswerten sieht wie folgt aus:

Unterkunft: 750 £ warm
Verpflegung: 300 £
Reisekosten: 100 £
Freizeitunternehmungen: 100 - 250 £


Fazit

Rückblickend war es der richtige Schritt, nach Großbritannien zu gehen, weil ich so die Chance genutzt habe, einerseits meine Englischkenntnisse zu verbessern, andererseits aber auch weitere berufliche Erfahrungen zu sammeln. Ich kann jedem Studenten nur empfehlen, seine Komfortzone zu verlassen und den Schritt ins Ausland zu gehen. Ich habe nicht nur für meine spätere Karriere im Beruf einiges dazugelernt, sondern mich vor allem auch persönlich weiterentwickelt.