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„Als sehr positive Erfahrung nehme ich die Gastfreundschaft und Offenheit der Chinesen mit.“

Erfahrungsbericht von Fredo Moos

Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft, Praktikum Oktober – Dezember 2018 in Peking/China bei der Hörmann KG Verkaufsgesellschaft

Gefördert über PROMOS     

Schon im ersten Semester grünes Licht für China

Von Beginn meines Studiums wollte ich eine Praxisphase im Ausland arbeiten. Dieser Wunsch wurde u. a durch die Vorlesung „Globalisierung und internationales Management“ während des ersten Semesters gestärkt. Deshalb habe ich mich schon in meiner ersten Praxisphase an die Personalabteilung der Firma Hörmann gewandt und mich über entsprechende Möglichkeiten informiert. Da Hörmann global tätig ist, wurden mir unterschiedliche Länder und Einsatzorte vorgestellt. Die Entscheidung für China traf ich schnell. Daraufhin gab es einen internen Bewerbungsprozess. 

Für die englische Bewerbung mit Motivationsschreiben und Lebenslauf konnte ich auf die Unterstützung des Career Service zurückgreifen. Auf eine Rückmeldung musste ich glücklicherweise nicht lange warten und hatte somit noch im ersten Semester grünes Licht für mein Praktikum in China. Nachdem seitens der Firma alles „in trockenen Tüchern“ war, hat mich der Career Service auf die Möglichkeiten des PROMOS-Stipendiums aufmerksam gemacht, sodass ich mich innerhalb der vorgegebenen Fristen bewerben konnte.

Ein entsprechendes Visum sowie die Absprachen mit Hörmann China konnte ich selbstständig übernehmen. Im Voraus habe ich eine entsprechende Auslandskrankenversicherung abgeschlossen und auf Anraten des Hausarztes unterschiedliche Impfungen machen lassen. Insgesamt war der Aufwand sehr überschaubar und die Vorbereitung hat Vorfreude auf die Reise gemacht.

Ein ganzer Stadtteil für ausländische Firmen

Die Hinreise verlief unkompliziert, vom Beijing Capital Airport fuhr ich erst einmal zur Firma. Dort wurde ich bereits erwartet und von der Leiterin des HR Departments in Empfang genommen. Der Firmensitz in Peking liegt in der so genannten „Business Development Area“, kurz BDA. Hier wurde von der Pekinger Verwaltung ein Stadtteil geschaffen, in dem sich eine Vielzahl ausländischer Firmen niedergelassen hat. In direkter Nachbarschaft zu Hörmann fanden sich bekannte Namen wie Bayer, GE Healthcare, Tesla oder Coca-Cola. Mein Ein-Zimmer-Apartment lag sehr komfortabel – rund zehn Minuten mit dem Auto von Hörmann entfernt und 45 Minuten mit der Subway vom Stadtzentrum von Peking.

Mein Arbeitsplatz

Ursprünglich war geplant, dass ich während meines Aufenthaltes ausschließlich das HR Department unterstütze. In den ersten Tagen stellte sich allerdings schnell heraus, dass es vergleichsweise wenige Aufgaben gab, die ich in Englisch übernehmen konnte. So verlagerte sich mein Arbeitsplatz in die International Business Division (IBD), welche den Vertrieb und Export in 14 weitere asiatische Länder übernimmt. Der Leiter der IBD sowie der Leiter des Controllings sind deutsche Kollegen gewesen. Hier konnte ich schnell Anschluss finden und weitere Aufgaben übernehmen. Mein Aufgabengebiet umfasste schlussendlich die drei Bereiche Personal, Controlling und internationaler Vertrieb. Das sorgte für reichlich Abwechslung und sehr spannende Einblicke.

Kontakte und Beziehungen

Vor meinem Aufenthalt war ich der festen Überzeugung, dass „die Asiaten“ gar nicht so unterschiedlich sein können. Durch die breite Aufstellung von Hörmann im gesamten asiatischen Raum hatte ich das Glück, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich lernte viele Nationalitäten kennen, hatte unzählige spannende Begegnungen mit z. B. Malaysiern, Süd-Koreanern, Indonesiern und Japanern.

Selbst die Provinzen innerhalb Chinas unterscheiden sich sehr voneinander. Das konnte ich vor allem während eines „Team-Building“-Wochenendes erleben, zu dem rund 200 Kollegen aus ganz China kamen. Auch wenn nur wenige Englisch sprechen konnten, fielen mir schnell die optischen- und die Verhaltensunterschiede auf.

Am Wochenende wurde ich häufig zu gemeinsamen Essen eingeladen. Jeden Montag wurde von der Firma gemeinsames Badminton angeboten und es entstanden Fahrgemeinschaften. Diese Kontakte entstanden alle im beruflichen Kontext und häufig dadurch, dass die deutschen Kollegen mich sehr oft zu Veranstaltungen mitnahmen. Das hat meinen Aufenthalt stark geprägt.

Außerhalb der Firma entstanden nur wenige Gespräche. Das lag vor allem daran, dass natürlich die Mehrheit der Chinesen kein Englisch spricht. Hinzu kam, dass neben der Arbeit gar nicht so viel Zeit blieb und es für mich wichtig war, auch freie Zeit für mich allein zu haben.

Ganz besonders wichtig ist es mir zu sagen, dass ich während der drei Monate sowohl in Peking als auch in Shanghai das Gefühl hatte, willkommen zu sein. Ich wurde immer respektvoll behandelt, auch wenn ich in China als Ausländer nur wenige Worte Chinesisch sprechen konnte. Alle haben sich bemüht, aus Begegnungen das Beste zu machen und voneinander zu lernen. Dies ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich von der Reise mitnehmen konnte.

Positive, aber auch erschreckende Erfahrungen ... und offene Fragen

Als sehr positive Erfahrung nehme ich z. B. die Gastfreundschaft und Offenheit der Chinesen mit und die Tatsache, dass Dinge häufig deutlich effizienter laufen würden, wenn es – wie in China – weniger Regulierungen gäbe.

Ein paar Regulierungen mehr in Richtung CO2-Ausstoß wären der Wirtschaft und dem Klima allerdings zuträglich. Wir kennen das Smog-Problem vor allem aus den Nachrichten. Aber erst dann, wenn man es täglich erlebt und die schlechte Luft einatmen muss, kann man nachvollziehen, was es wirklich bedeutet. Im Klartext heißt das, dass im Büro immer ein Luftfilter läuft und man an manchen Tagen höchstens mit Atemschutz vor die Tür geht, um zur Arbeit zu kommen. Draußen Sport machen, hält man höchstens in der ersten Woche für eine gute Idee. Aber auch zu viel Regulierung gibt es: die permanente Überwachung. Egal wo man sich bewegt, alles wird gefilmt. Überall Polizisten und „Aufpasser“. Außerdem sind die Zeichen und Symbole der chinesischen Regierung allgegenwärtig.

Offene Fragen sind mir dahingehend geblieben, wie die Chinesen (in Peking) selbst ihr Leben reflektieren, wie sie sich selbst in der eigenen Gesellschaft verorten oder auch die durch die Regierung propagierten Normen und Werte vertreten. Auch auf die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, beruflich für einige Jahre in China zu arbeiten, könnte ich nicht sofort antworten. Es wäre in jedem Fall eine Zeit mit vielen Entbehrungen. 

Kosten des Aufenthaltes

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Kosten des Auslandsaufenthaltes. Die Kosten für Visum, Hin- und Rückflug sowie 50 % der Wohnungskosten wurden von Hörmann übernommen. Ich habe Mietkosten in Höhe von 200 € pro Monat gezahlt. Darüber hinaus wurde mein Auslandspraktikum einmalig mit 800 € (monatlich mit 267 €) durch das PROMOS-Stipendium bezuschusst. Nicht zu vergessen ist, dass ich natürlich auch während des Auslandspraktikums die Ausbildungsvergütung von Hörmann gezahlt bekommen habe.

Lebensmittelpreise in Peking können sich stark unterscheiden, je nachdem, ob man auf lokale Produkte zurückgreift oder eher westliche Lebensmittel kauft. Da ich persönlich mehr westliche Produkte als lokale gekauft habe, haben sich meine Ausgaben für Lebensmittel kaum von denen in Deutschland unterschieden. In der Kantine gab es allerdings täglich klassisches chinesisches Mittagessen. Entgegen den Vorurteilen gegenüber chinesischem Essen kann ich sagen, dass es fast immer gut geschmeckt hat. Ausnahmen gibt es schließlich immer… Abschließend lassen sich die Kosten der Reise auf rund 800 € pro Monat zusammenfassen, inklusive eines viertägigen Aufenthalts in Shanghai. 

Wichtig: VPN für Handy und Laptop

Mit eine der wichtigsten Vorbereitungen auf den Chinaaufenthalt war das Einrichten eines VPN für Handy und Laptop. Ohne einen funktionierenden VPN wäre auch ich durch die „Great Chinese Firewall“ von Google, WhatsApp, Instagram, Facebook und sämtlichen APPs getrennt gewesen. Das hätte den Aufenthalt sicherlich erschwert. 


Ein Auslandspraktikum generell und speziell in China kann ich nur empfehlen

Dass interkulturelle Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen, ist nach unserem Verständnis von Globalisierung keine Frage mehr. Dass dabei gerade die chinesische Kultur eine wichtige Rolle spielt, fällt immer häufiger im Alltag oder in den Nachrichten auf. Ich konnte beruflich sowie persönlich unglaublich viele Erfahrungen gewinnen. Viele dieser Erfahrungen waren sehr positiv, einige erschreckend und andere werfen neue Fragen auf. Doch genau diese Arten von Erfahrungen zu sammeln, waren meine Motivation im Voraus.