Donnerstag, 17. Mai 2012

Kopierer zu Dumpingpreisen oder teuer verkaufen

FHDW-Unternehmensplanspiel im Gymnasium am Waldhof, Bielefeld
Schüler Philipp Buhrmester , 12. Klasse, berichtet

Zwei Tage Wirtschaft gespielt - die Schüler
und Schülerinnen des Bielefelder
Gymnasiums am Waldhof.
Direkt nach den Herbstferien nahmen 12 Schüler und Schülerinnen aus der Jahrgangsstufe 12 im Gymnasium am Waldhof an einem Wirtschaftsplanspiel teil. Unter der Leitung von Herrn Jäsche und Herrn Klein von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) rauchten die Köpfe am Montagnachmittag, 16. Oktober 2006, und am Dienstagnachmittag, dem 17. Oktober 2006, über betriebswirtschaftlichen Fragestellungen. Die Schülerinnen und Schüler wurden zunächst in drei Gruppen eingeteilt, die jeweils die Rolle des Vorstandes übernahmen und das fiktive Unternehmen "Copyfix AG", einen Hersteller von Fotokopiergeräten, erfolgreich am Markt positionieren und etablieren sollten.
Ausgangspunkt war der aus Altersgründen bevorstehende Vorstandswechsel im Betrieb, der in Zukunft durch junge und dynamische Unternehmer weitergeführt werden sollte. Alle Gruppen bestritten das Spiel unter gleichen Voraussetzungen (Kapital, Arbeiternehmer, Marktanteil, etc.). Ziel für die Gruppen war es, durch eine gute ausgearbeitete Strategie in drei Perioden (Geschäftsjahren) ein gesichertes und erfolgreiches Unternehmen am Markt zu etablieren.

Als Erstes wurde eine "Probeperiode" durchgespielt, bei der die Schüler erste Überlegungen über eine erfolgreiche Strategie anstellen und erste Eindrücke über Produktionsfaktoren und ihre wechselseitige Wirkung erfahren konnten. Anfangs war es jedoch schwierig, sich in dem ganzen Gewirr von Zahlen zurecht zu finden und Zusammenhänge zu erkennen. Allerdings war diese erste Runde eine gute Gelegenheit, sich in die Thematik einzuarbeiten und für den Ernstfall gewappnet zu sein. Ergebnis dieser Probeperiode war, dass alle Unternehmen ihre Produkte zu Dumpingpreisen angeboten hatten und schließlich lieferungsunfähig wurden. Nun wussten die Gruppen schon einmal, dass dieses nicht der beste Weg zum Ziel war.

Die einzelnen Gruppen hatten die Möglichkeit, sich zwischen zwei Strategien zu entscheiden. Einerseits konnten sie in ihrem Unternehmen auf Qualität setzen, vor allem im Bereich der ökologischen Verbesserung. Die dadurch bedingte Preiserhöhung bedeutete allerdings eine niedrigere Nachfrage am Markt. Andererseits konnte man die Fertigungsstraße voll auslasten und die Massenanfertigung qualitätsschwächerer Drucker zu geringeren Preisen anbieten. Die beiden Strategien sorgten in den Unternehmen für viel Gesprächsstoff und ließen die Taschenrechner bei der Berechnung der zu erwartenden Zahlen ordentlich qualmen.

Unsicherheiten hinsichtlich der Strategie und der Produktkalkulation wurde mit den Betreuern durchgesprochen. Die Zeit drängte bei allen Gruppen, und die Schüler mussten nun endlich eine Entscheidung für ihre Strategie fällen, zumal ein Strategiewechsel innerhalb des Planspiels keinen Sinn machte. Die Schüler hatten festzulegen, zu welchem Preis und zu welcher Stückzahl der Kopierer auf den Markt gebracht werden sollte. Gleichzeitig musste über die Einstellung bzw. Entlassung von Personal nachgedacht werden.

Nach Abschluss der ersten Periode wurden die Ergebnisse mit Spannung erwartet. Interessant war zu sehen, dass alle Gruppen aus den Fehlern, die sie in der "Probeperiode" begangen hatten, gelernt hatten. Keine Gruppe hatte sich besonders verkalkuliert, und alle konnten so ihren Kopierer gut am Markt positionieren. Zwei Gruppen hatten ihren Kurs im Niedrigpreissektor beibehalten und hatten dementsprechend auch einen etwas höheren Absatz zu verbuchen als die Gruppe, die mehr Wert auf die Qualität legte.

Nach Auswertung der Zahlen durch die Betreuer ging es in den einzelnen Gruppen an die Fehleranalyse. Manchmal war man überrascht, dass auf einmal völlig andere Zahlen herauskamen als die zuvor berechneten. Mit der Zeit wurde den Schülern klar, auf welche Faktoren sie achten mussten. Wurde die Fluktuation ausreichend berücksichtigt? Wie viel sollte man in Werbung investieren, um einen besseren Absatz zu erzielen? War der Ökologieindex dem Markt angepasst? Zusätzlich mussten die Gruppen die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen jeder Periode analysieren und diese in ihre Überlegungen und Strategien einbeziehen.

An den beiden Tagen wurden insgesamt drei Perioden, die jeweils einem Geschäftsjahr entsprachen, durchgespielt. Die Ergebnisse der einzelnen Gruppen wurden zum Schluss präsentiert und diskutiert. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Planspiel den Gruppen sehr viel Spaß bereitet hat und alle Schülerinnen und Schüler wertvolle erste Eindrücke in dem Bereich der Betriebswirtschaft sammeln konnten. Es gab im Grunde genommen keine Verlierer bei dem Planspiel, da jeder beteiligte Schüler von der FHDW noch eine Urkunde für seine Teilnahme bekam. So konnten alle Schüler mit schönen Erinnerungen an die beiden Tage nach Hause gehen und von ihren erfolgreichen Unternehmen erzählen.