Samstag, 4. Februar 2012

Motivation kommt nur von innen

2. Bergisch Gladbacher Gespräche mit Reinhold Messner

Lebende Legenden sind selten. Reinhold Messner ist so eine. Mit einer Biographie, die für mehrere Leben ausreichen würde. Mit Rekorden, die er nie gejagt und trotzdem errungen hat. Zurückhaltend wirkt er auf dem Podium im Bergisch Gladbacher TechnologiePark, fast bescheiden. Und klein. Jedenfalls kleiner, als manche sich den berühmtesten Bergsteiger der Welt vorgestellt haben. Doch als er zu erzählen beginnt, erklärt, was ihn immer wieder zu neuen Höchstleistungen treibt, scheint er zu wachsen. Und die Zuhörer hängen an seinen Lippen, lassen sich mitnehmen in die Welt der Bergriesen, die Einsamkeit der Antarktis, die Stille des Polarmeers.

Grenzgänger mit höchsten Anforderungen

"Motivation", das stellte Messner gleich zu Anfang klar, "fällt nicht vom Himmel. Sie steckt in uns drin." Wichtig für jeden einzelnen sei zu entdecken, wo die Herausforderung ist, wo sich das Ziel befindet, wo man hin will. Für ihn ist von klein auf zunächst der Berg die große Herausforderung. 20 Jahre währt die Phase der "besessenen Felskletterei". Als ihm bei der Besteigung des Nanga Parbat, bei der sein Bruder ums Leben kommt, die Zehen abfrieren, sieht er sich nach neuen Aktivitäten um. Er findet das Höhenbergsteigen. Der Reiz: neue schwierige Zugänge etwa auf den Mount Everest zu suchen oder scheinbar Unmögliches möglich zu machen. Wie die Besteigung des höchsten Berges ohne Sauerstoff-Maske mit Peter Haberle, später ohne Maske und alleine. 
 
Und dann erzählt Messner von den letzten hundert Metern vor dem Gipfel. Von der Hoffnungslosigkeit, die ihn und Haberle überkommt. Weil der Gipfel zum Greifen nah ist und doch unendlich weit. Weil jeder Schritt Minuten kostet. "Dann muss man im Bewusstsein Berge versetzen", zitiert er "das Credo eines Grenzgängers" - Titel seines neuen Buches. Die Gipfel-Euphorie, räumt er mit einem alten Klischee auf, die gibt es nicht. Erst wenn man wieder unten, im Leben ankomme, stelle sich ein Glücksgefühl ein, eine Art Wiedergeburt im Sinne von: "Das Leben ist die größte Möglichkeit, die wir schaffen können."

Schlüssel zur Motivation: Begeisterungsfähigkeit

Um Motivation ging es anschließend auch bei dem von Hans Meiser (rechtes Foto, links) moderierten Podiumsgespräch mit Rolf Büsselmann, bei der Bayer Industry Services GmbH & Co. OHG Leiter der kaufmännischen Berufsausbildung, Dr. Reinhard Keim, Personaldirektor der Vodafone D2 GmbH, Andrea Longerich, Personalleiterin des Bereichs Ultraschall bei GE Healthcare Technologies, FHDW-Studierendenvertreter Marius von Saurma-Jeltsch sowie Prof. Ute Dallmeier und Reinhold Messner. Das Fazit der Runde: Schlüssel zur Motivation ist Begeisterungsfähigkeit. Und die lässt sich nicht mit Geld erreichen, sondern muss von innen kommen. Dann so die Gesprächsteilnehmer lassen sich tatsächlich "Berge versetzen". Reinhold Messner weiß das schon längst.