Samstag, 4. Februar 2012

Deutschland: ein gespaltenes Land

4. Bergisch Gladbacher Gespräche mit Norbert Walter

Einen Aspekt des Veranstaltungsthemas "Deutschland - gespaltenes Land" griff Schäfer gleich zu Anfang auf: die Kinderunfreundlichkeit. Bereits heute gibt es in Deutschland 30,8 Prozent weniger Kinder als 1970, was dazu führt, "dass wir 2020 rund 25 Prozent weniger Schüler und als Folge davon auch entsprechend weniger Fachkräfte haben werden."

Die Mauer in den Köpfen beseitigen

Prof. Dr. Winfried Fuest, Mitglied der Geschäftsführung im Institut der Deutschen Wirtschaft, machte durch den Vergleich der neuen und alten Bundesländer seit der Wiedervereinigung vor 17 Jahren die immer noch bestehenden Unterschiede deutlich. Prof. Dr. Norbert Walter betonte, dass die Spaltung zwischen Ost und West am markantesten in der Wirtschaft sei. International ausgerichtete Unternehmen verzeichneten einen enormen Aufschwung, nur auf den heimischen Markt fixierte Firmen seien hingegen die großen Verlierer. Die wirtschaftliche Spaltung zieht, so Walter, eine gesellschaftliche nach sich: Während die einen ihre Überstunden kaum schaffen, haben andere überhaupt keine Arbeit und seien auch nicht bereit, der Arbeit hinterher zu ziehen.
 
 Als einen Grund für die mangelnde Dynamik machte Walter den fehlenden Glauben an die Zukunft aus, der sich vor allem in einer gespaltenen Haltung gegenüber Kindern widerspiegele. Die Alternative zu mehr Kindern? – "Lernen, mit Nicht-Deutschen zu leben", sagte Walter. Das Fazit des Volkswirts: Deutschland sei zwar ein gespaltenes Land, aber eines mit großen Chancen. Zumindest dann, "wenn wir wieder bereit sind, Verantwortung zu übernehmen."
 
 Welche Brisanz das Thema insgesamt besitzt, brachte abschließend die von TV-Profi Hans Meiser moderierte Podiumsdiskussion an den Tag. Dabei ging es zwischen Prof. Walter und Prof. Fuest , Herbert Reul, Europa-Parlamentarier und Ex-Generalsekretär der CDU NRW, Eckbert Schwager, Leiter Personalentwicklung Delphi Deutschland GmbH, sowie FHDW-Studentin Bianka Voß mitunter hoch und kontrovers her. Trotz deutlich überzogener Zeit verließ kein einziger Besucher den Saal. Bestes Indiz dafür, dass "Deutschland – gespaltenes Land" mehr als aktuell ist.